Es gibt kein Recht auf schlechte Politik machen
Text: BG
So viele führende Politikerinnen wie nie zu vor – und trotzdem geht es uns Frauen so schlecht, wie seit Jahrzehnten nicht.
Ein tolles Trio, dem es seit
gestern zu gratulieren gilt: Ursula von der Leyen (CDU) zur Wahl zur
Präsidentin der EU-Kommission, Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zur Ernennung als
Verteidigungsministerin und Angela Merkel (CDU) zu der Chuzpe, mal wieder alle
anderen zu übergehen.
Drei Spitzenämter, besetzt von Frauen.
Schade nur, dass wir Frauen so wenig davon haben. Wir übrigen Frauen, meine
ich, die Normalsterblichen, die Elkes und Fatimas, Elenas und Nadeshdas, Mamadees
und Hopes, Christinas und Paolas. Nicht in Deutschland, nicht in Europa,
nirgends auf der Welt.
Bleiben wir in Deutschland: Noch
nie gab es so viele führende Politikerinnen wie gegenwärtig, auch wenn der
weibliche Anteil an den Abgeordneten im Bundestag erschreckend niedrig ist.
Selbst die CDU hat mit Ilse Aigner und Dorothee Bär weibliche Medienpräsenz.
Nur leider spiegelt sich das in
der Politik nicht wider. Frauen sind immer noch am schlechtesten bezahlt, halten
den Rekord bei Teilzeit- und Minijobs, werden als Letzte geheuert und als Erste
gefeuert, leisten immer noch den Löwinnenanteil der Haus- und Carearbeit,
Single-Mütter sind die größte Gruppe der Menschen im ALG-II-Bezug,
Sorgerechtsstreits gehören zu deren Alltag. Immer noch versucht durchschnittlich
pro Tag ein Mann seine (Ex)-Frau/Partnerin umzubringen, jede Dritte überlebt
nicht.
Um der ganzen Wahrheit die Ehre
zu geben: Ohne den Druck von Frauen im Parlament und außerhalb dessen wäre das
Sexualstrafrecht nicht geändert worden. Nur leider nützt uns auch das in der
Praxis nichts. Diese Praxis mehr auf den Schutz der Opfer zuzuschneiden, dafür
die Rahmenbedingungen zu ändern, das hatte Katharina Barley (SPD) versprochen.
Darüber ist sie wohl irgendwie hinweggekommen.
Zwar geht es uns Frauen so
beschissen wie schon lange nicht mehr, dafür dürfen wir uns am weltweiten Töten
beteiligen. Sogar Chefin der Truppe werden.
Irgendwie habe ich mir Emanzipation anders vorgestellt.
Viele meiner feministischen
Freundinnen feiern das Trio ab. Endlich Frauen an der Macht. Ob sie gute oder
schlechte Politik machen, ist dabei egal. Ist es bei Männern ja auch, heißt es.
Keine Ahnung, wie es Euch geht,
aber dafür bin ich nicht angetreten. Emanzipation bedeutet für mich nicht,
alles genauso (schlecht) zu machen wie Männer. Sondern eine egalitäre, auf das
Leben fokussierte Politik, mit gleichen Rechten und menschenwürdigen Lebensbedingungen
für alle Menschen. Das – und sei es in kleinen Schritten – zu erreichen, und
zwar für alle Menschen auf der Welt, wäre die nachhaltigste Revolution in der
Menschheitsgeschichte.
Übriggeblieben ist irgendwie nur
„Dabeisein ist alles“. Das ist nicht nur schade, sondern fatal.
Es gibt nämlich kein Recht auf
schlechte Politik machen. Und vor allem ist das kein, wie auch immer gearteter,
Fortschritt.
Um es mit Ingrid Strobl zu sagen:
„Frausein ist kein Programm“.
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