Frauen sind nicht dafür zuständig, andererleuts Kinderwunsch zu realisieren
Text: BG
Kinderwunscherfüllung ist nicht der Job von Feministinnen – Solidarität mit Müttern hingegen schon
Die FDP will Leihmutterschaft
legalisieren. Feministinnen halten dagegen: Adoptiert doch lieber. Von
Ausnahmen abgesehen, ist Adoption nichts anderes als Leihmutterschaft. In aller
Regel ein egoistischer Wunsch der adoptierenden Familie. Mit drastischen Folgen
für die biologische Mutter und Kind: Adoptierte Kinder leiden häufig unter dem
Gefühl, nichtgewollt zu sein, und haben ein höheres Risiko, sexualisierter
Gewalt ausgesetzt zu sein als leibliche Kinder; Mütter, die ihr Kind zur
Adoption freigeben, sind häufig für den Rest ihres Lebens traumatisiert und
können nicht einmal mit jemandem darüber reden.
Adoption ist eine patriarchale Erfindung
Historisch betrachtet ging es bei
Adoptionen um Erbrecht, so konnten Thronfolge, der Erhalt oder monetäre Ansprüche übertragen oder
ausgeschlossen werden. Später wurde es so möglich, (monetäre) Verhältnisse
gegenüber außerehelichen Kindern zu regeln und diese ehelichen Kindern gleichzustellen,
bzw. diese zu übervorteilen, zumindest wenn die es sich bei den ehelichen
Kindern um Töchter handelte. Es gibt dazu keinerlei Zahlenmaterial, aber es ist
zu vermuten, dass außereheliche Töchter oder nicht verwandte Mädchen seltener
in den Genuss der Adoption kamen als Söhne – wenn überhaupt.
Name, Status und Vermögen wurden
nur an Söhne übergeben, so dass während der Römischen Kaiserzeit (98 bis
180 nach Christus) die Adoption eingeführt und vor allem in der Oberschicht
praktiziert wurde. Ziel war es, sicherzustellen, dass es einen männlichen
Nachkommen geben würde.
Adoption ist also eine
patriarchale Erfindung, um Besitz, Vermögen, Macht und Status nach dem Ableben
zu erhalten. Männliche Macht, bzw.
männlichen Besitz, der eine Grundvoraussetzung
war, bzw. ist für männliche Macht.
Über die Jahrhunderte etablierte
sich die Praxis der Adoption, wurde rechtlich immer wieder modifiziert, die
letzte Änderung in Deutschland ist die Reform des Adoptionsrechts von 1976.
Darin wurde geregelt, dass bei Fremdadoptionen sämtliche Beziehungen zur
Ursprungsfamilie erlöschen, d.h., die biologische Mutter wird aus der
Biographie des Kindes gelöscht, und somit auch sämtliche finanziellen Ansprüche
in beide Richtungen. Ein adoptiertes
ausländisches Kind erhält automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft. 2004
wurde die Adoption durch gleichgeschlechtliche Lebenspartner eingeführt, seit
2017 steht diese Möglichkeit auch gleichgeschlechtlichen Ehepaaren offen.
Durch die gesetzliche Regelung,
aber auch durch medizinische Möglichkeiten, ist die biologische Elternschaft
durch ein mitunter schier unüberschaubares Konstrukt ersetzt worden. Das
veranlasst die FDP dazu, aktuell öffentlich über die Mehrelternschaft
nachzudenken, z. B. rechtlich zu ermöglichen, dass ein Kind vier Elternteile
haben kann, etwa wenn ein lesbisches und ein schwules Paar sich gemeinsam
entschließen, ein Kind oder mehrere Kinder zu bekommen und sich die Sorge für
das Kind teilen wollen. Falls es da zu Trennungen kommt und neue
Partner/Partnerinnen adoptieren möchten, diesen Gedanken mag ich gar nicht
weiter spinnen.
Die Eckdaten
Laut Wikipedia
wurden im Jahr „2014 wurden 3805 Kinder und Jugendliche adoptiert, dabei
2190 (57,6 %) von ihren Stiefeltern. 38,1 % aller Adoptierten waren
unter drei Jahre alt. Es fanden 622 Auslandsadoptionen statt.
…
Im Jahr 2017 wurden insgesamt
3888 (2012: 3886; 2011: 4060; 2010: 4021) Minderjährige adoptiert. Damit ist
die Zahl leicht rückläufig, nachdem sie von 2014 bis 2016 anstieg. 61 %
der Fälle erfolgten in der sogenannten Stiefelternadoption durch den neuen
Partner eines leiblichen Elternteils, weitere 4 % durch Verwandte.
41 % der Adoptierten waren unter drei Jahre alt, 25 % zwischen drei
und elf sowie 21 % zwischen zwölf und achtzehn Jahren alt; 13 %
besaßen nicht die deutsche Staatsbürgerschaft“.
Es werden ungefähr gleich viel
Mädchen und Jungen adoptiert.
Seit 1994 ist die Zahl
der Adoptionen in Deutschland stetig gesunken: Im Zeitraum von 2004 bis
2015 hat die Zahl der Adoptionen von 5.072 auf 3.8012 Fälle um ca. 25%
abgenommen. Zahlen über eventuellen Anstieg von Adoptionen durch die Ehe für
Alle gibt es noch nicht.
Zeitgleich ist die Nachfrage
nach Leihmutterschaft gestiegen. Diese ist in Deutschland verboten, das
möchte die FDP jetzt ändern. Dass Adoptionen seltener werden, hat verschiedene
Ursachen, zum einen gibt es mehr Wissen über Verhütungsmittel, diese sind
einfacher zugänglich, Schwangerschaftsabbruch ist im Vergleich zu den 1970er
Jahren einfacher geworden (die einzig verfügbaren Studien zum Thema „Adoption“, die
sich mit den Gründen auseinandersetzen, warum Mütter ihre Kinder zur Adoption
freigeben, sind aus den Jahren 1978 und 1993 und beziehen sich auf die alte
Bundesrepublik), alleinstehende junge Mütter erhalten zwar zu wenig, dennoch
mehr Hilfen als noch vor Jahrzehnten, Single-Mütter sind gesellschaftlich nicht
mehr so stark stigmatisiert, weibliche Lebensentwürfe haben sich geändert,
Lebensmodelle ohne Kind sind heute normaler als noch in den 1970ern, es gibt
sehr viele Möglichkeiten, Schwangerschaften zu erzeugen, so dass z. B.
künstliche Befruchtung die Zahl der Adoptionen reduziert. Hinzu kommt, dass es
selbstverständlicher ist, dass Paare ohne Trauschein zusammenleben, so dass
sich auch die Zahl der Stiefkind-Adoptionen reduziert. Die sogenannten
Familien-Adoptionen dürften von gesellschaftlichen Trends nicht beeinflusst
werden.
Internationale
Adoptionen gingen zwischen 2004 und 2015 sogar um 50% zurück.
2010 kamen auf jede
Adoptionsfreigabe (die Zahlen beziehen sich auf Fremdadoptionen) 10 Bewerbungen,
2015
waren es 7,
2016
noch 6 Bewerbungen.
Bei Fremdadoptionen (s.u.)
werden vor allem junge Kinder vermittelt und nachgefragt, 65% der vermittelten
Kinder sind jünger als 4 Jahre. Das Procedere bei Fremdadoptionen dauert
mindestens ein Jahr, solange werden die neuen Eltern von den zuständigen
Behörden begleitet, erst dann wird sie rechtskräftig, so dass die Mehrheit der
adoptierten Kinder älter als 1 Jahr ist.
Das lässt darauf schließen, dass
Menschen, die Kinder adoptieren wollen, insbesondere Paare, die Möglichkeit der
Leimutterschaft favorisieren, um zu garantieren, dass das Kind weitestmöglich
die eigenen Gene in sich trägt. Bei Adoptionen von fremden Kindern sind vor
allem Kleinkinder, am besten Neugeborene gefragt. Ältere Kinder in Heimen, die
entweder tatsächlich keine Angehörigen haben, oder aus so zerrütteten
Verhältnissen stammen, dass sie niemals in ihre Herkunftsfamilie zurückkehren
können – Kinder also, denen eine liebevolle neue Familie zu wünschen wäre –
haben das Nachsehen.
Diese Kinder spielen in der
Debatte um Leihmutterschaft und mögliche Alternativen keine Rolle, weil
Menschen, die sich ein Designer-Baby wünschen, i. a. R. schlicht keine
problembelasteten Kinder aus noch problembelasteteren Familien wollen.
Grundsätzlich sehe ich den
Feminismus nicht unter Zwang, Alternativen aufzuzeigen, weil Leihmutterschaft
abgelehnt wird. Frauen sind nicht dafür zuständig, andererleuts Kinderwunsch zu
realisieren.
Schwangere aber sollten alle
erdenklich mögliche Unterstützung bekommen, um mit ihren Kindern zusammenleben
zu können. Die Beziehung zwischen der Mutter und dem Kind, das in ihr wächst,
ist die natürlichste Beziehung überhaupt. Alle anderen, inklusive Vater, müssen
diese Beziehung nachträglich aufbauen und dafür viel Beziehungsarbeit
investieren. Das ist selbstverständlich nicht unmöglich, und gerade deshalb ist
es so wichtig, dass junge Eltern als Paar die Möglichkeit bekommen, unbelastet,
sprich ohne finanzielle Probleme, als Familie zusammenzuwachsen. Die beste
Möglichkeit dafür wäre eine gemeinsame Elternzeit nach der Geburt.
Das Neugeborene reagiert auf den
Herzschlag der Mutter, auf ihre Stimme. Diese Vertrautheit bietet ihm Nichts
und Niemand sonst.
Selbstverständlich sind Mütter
keine Heiligen und es gibt in vielen – zu vielen – Fällen Gründe dafür, das
Kind von der Mutter zu trennen. Im Interesse des Kindes. Aber selbst in den
meisten Fällen, in denen die Mutter nicht in der Lage ist, sich um das Kind zu
kümmern, ist der Hintergrund letztlich, dass sie zu wenig Unterstützung
erhalten hat.
Wer also Verantwortung
übernehmen möchte, sollte es für das Neugeborenen mitsamt dessen Mutter tun.
Das ist natürlich lange nicht so attraktiv wie ein süßes Neugeborenes, u. U.
ein schwieriges Teenie aus noch schwierigeren Familienverhältnissen zu dem
Neugeborenen aufzunehmen – und dieses ist dann nicht einmal „das eigene Kind“.
Aber das wäre „gesellschaftliche Verantwortung übernehmen“.
In einigen Fällen wird auch das
nicht möglich sein, in einer Vielzahl von Fällen schon. Denn der Hauptgrund,
warum Schwangere (um deren Kinder geht es primär bei der Alternative zur
Leihmutterschaft) ihre Kinder zur Adoption freigeben ist nach wie vor Armut,
gesellschaftliche Stigmatisierung, keine Hilfe durch ihre Familien und zu wenig
staatliche Unterstützung – wenngleich diese heute besser ist als noch in den 1970er/90er
Jahren. Wie in der Prostitution auch, sind es vorwiegend die Ärmsten der Armen,
die ihre Kinder zur Adoption freigeben. Global wie national. Jedenfalls in dem
Beriech „Fremdadoption“, in dem es sechs Mal höhere Nachfrage als „Angebot“
gibt. Es ist erschreckend, dass das Schicksal der Mütter, die ihre Kinder zur
Adoption freigeben, so wenig Interesse erweckt, dass es darüber praktisch KEIN
Wissen gibt. Noch erschreckender finde ich indes, dass Feministinnen sich über
diese Mütter kaltlächelnd hinwegsetzen und Adoption als Alternative zur
Leihmutterschaft anpreisen. Am Erschreckendsten aber finde ich die
Kaltschnäuzigkeit, mit der auf Kritik daran reagiert wird.
Der rechtliche Rahmen
Grob lässt sich sagen, es wird
unterschieden zwischen Familien- und
Fremd-Adoption, also solchen, bei denen die biologischen und die Adoptiveltern
in keinerlei verwandtschaftlichem Verhältnis stehen.
Bei der Familien-Adoption wird
wiederum unterschieden zwischen Adoptionen innerhalb der Familie und der
Stiefkind-Adoption; bei Fremd-Adoptionen wird unterschieden nach nach Inkognito-, halboffener und offener
Adoption. Hinzu kommen Auslandsadoptionen.
Bei der Familien-Adoption wird,
wie der Name schon sagt, innerhalb der Familie adoptiert, z. B., wenn die
Mutter bei der Geburt stirbt und die Großeltern die Elternschaft übernehmen.
Stiefkind-Adoption
bedeutet, dass der neue Lebenspartner/Lebenspartnerin das Kind/die Kinder ihrer/ihres
Liebsten adoptiert. Das ist die am häufigsten verbreitete Form der Adoption.
2014 waren das knapp 60% aller Fälle.
Inkognito-Adoptionen sind
solche, bei denen die biologischen Eltern, meistens die Mütter, nicht erfahren,
in welche Familie ihr Kind kommt und in welcher Stadt es lebt. In vielen Fällen
bekommt die Mutter ihr Kind nach der Geburt gar nicht zu Gesicht, das Kind wird
gleich in die Obhut der neuen Familie gegeben. Ob sie das Kind sieht oder
nicht, entscheidet allerdings ausschließlich die Mutter. Die Adoptivfamilie
kommt in aller Regel nicht aus derselben Stadt, derselben Region und gibt dem
Kind einen Namen. Die Daten werden beim Jugendamt unter Verschluss gehalten und
60 Jahre aufbewahrt. Das ermöglicht den Kindern, 60 Jahre lang nach den
biologischen Eltern zu suchen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben und wird in
jedem Fall so gemacht, auch bei halboffenen oder offenen Adoptionen.
Bei der halboffenen Adoption
weiß die Mutter, bzw. wissen die Eltern, in welche Familie das Kind gegeben
wird, bei der offenen Adoption ist sogar Kontakt zum Kind möglich. Das
entscheiden allerdings die Adoptiveltern, zumindest bis zum 18. Lebensjahr,
danach die adoptierte Person selbst.
Bei Familien- und
Stiefkind-Adoptionen kommt es mitunter zu Konflikten innerhalb der Familie,
bzw. mit dem biologischen Vater oder der biologischen Mutter, deren Kind von
dem neuen Partner/der neuen Partnerin adoptiert werden soll. Das zeigt, dass es
auch heute noch in vielen Fällen weniger um das Wohl des Kindes, sondern um
Besitz am Kind geht.
Fremdadoptionen bleiben zumindest
juristisch weitestgehend konfliktfrei; die biologische Mutter – die Väter
werden meist gar nicht eingetragen – haben acht Wochen nach der Geburt Zeit,
der Adoption zuzustimmen. Diese Zustimmung kann nach dieser Frist nicht mehr
widerrufen werden. Ist der Vater eingetragen, muss auch der zustimmen und auch
der kann die Zustimmung nach diesen acht Wochen nicht rückgängig machen.
Die adoptierende Person oder
Familie wird ein Jahr lang vom Jugendamt begleitet. In dieser Zeit soll geprüft
werden, ob sie in der Lage ist, sich ausreichend und angemessen um das Kind zu
kümmern. Das Jugendamt kann entscheiden, das Kind aus der Familie zu nehmen,
die neue Mutter/der neue Vater/die neuen Eltern können sich innerhalb dieses
Jahres entscheiden, das Kind nicht zu adoptieren. Dann ist das Jugendamt
zuständig und entweder, es wird eine neue Familie gefunden, oder das Kind kommt
in ein Heim. Die Herkunftsfamilie bleibt dabei außen vor. Es gibt keine
Erhebungen, wie oft ein solcher Fall eintritt. Nach diesem „Probejahr“ ist die
Adoption rechtsgültig.
Auslandsadoptionen
Um Menschenhandel zu verhindern,
sind Auslandsadoptionen streng
reglementiert, es das „Haager
Übereinkommen zur Internationalen Adoption“, das u.a. von Deutschland unterzeichnet wurde.
Dieses Abkommen regelt, dass bei Auslandsadoptionen sowohl die biologischen Mütter,
bzw. die biologischen Eltern zustimmen, als auch die zuständigen Behörden die
Genehmigung erteilen müssen. Da sich trotz allem ein regelrechter Kinderhandel
entwickeln konnte, verweigern einige Staaten inzwischen generell die Zustimmung
zu Auslandsadoptionen.
In vielen islamischen Ländern
sind Adoptionen im westlichen Sinne generell nicht erlaubt. Die Kinder können
nicht den Namen der neuen Familie annehmen und sind auch nicht erbberechtigt.
Sie sind das, was wir als Pflegekinder kennen.
Diese Praxis wird aus Koran Sure 33, Vers 3-5, abgeleitet:
„Allah hat keinem Manne zwei Herzen in seinem
Inneren gegeben, noch hat Er jene unter euren Frauen, von denen ihr euch
scheidet mit der Formel, sie seien euch verwehrt wie der Rücken eurer Mütter,
zu euren (wirklichen) Müttern gemacht, noch hat Er eure adoptierten Söhne zu
euren (wirklichen) Söhnen gemacht. Das ist (nur) Gerede aus euren Mündern;
Allah aber spricht die Wahrheit, und Er zeigt (euch) den Weg.
|
[33:4]
|
Nennt sie (eure Adoptivsöhne)
nach ihren Vätern. Das ist gerechter vor Allah. Wenn ihr jedoch ihre Väter
nicht kennt, so sind sie eure Brüder im Glauben und eure Schützlinge. Und
wenn ihr versehentlich darin gefehlt habt, so ist das keine Sünde von euch,
sondern (Sünde ist) nur das, was eure Herzen vorsätzlich tun. Und Allah ist
wahrlich Allverzeihend, Barmherzig.
|
[33:5]
|
Der Prophet steht den
Gläubigen näher als sie sich selber, und seine Frauen sind ihre Mütter. Und
Blutsverwandte sind einander näher als die (übrigen) Gläubigen und die
Ausgewanderten - gemäß dem Buche Allahs -, es sei denn, daß ihr euren
Schützlingen Güte erweist. Das ist in dem Buche niedergeschrieben“.
|
Angenommene Mädchen müssen sich
vor dem Adoptivvater verschleiern und Adoptivmütter vor den angenommen Söhnen.
Konkret heißt das, dass den Mädchen und Frauen so das letzte Stück
Privatsphäre, das ihnen für gewöhnlich die Familie bietet, verlustig geht.
2012
entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass eine algerisch-stämmige
Französin ein seit Jahren bei ihr lebendes algerisches Waisenkind nicht
adoptieren durfte, weil das in Algerien nach Scharia-Recht verboten ist.
"Article 4 (a) of the Hague Convention of
29 May 1993 on Protection of Children and Co-operation in Respect of
Intercountry Adoption provides that adoption may take place only if the
competent authorities of the State of origin have established that the child is
adoptable, this not being the case where adoption is prohibited."
Das Kind hatte
den algerischen Pass und war als Vollwaise und die Adoption bedurfte der
Zustimmung der zuständigen algerischen Behörden – die diese verweigerten mit
dem Hinweis auf das geltende Scharia-Recht.
Die Frau hat
sich in Frankreich
durch die Instanzen geklagt, die alle im Rahmen des Internationalen
Privatrechts (IPR) den algerischen Behörden Recht gegeben haben. Der Fall
landete dann vor dem EuGH und das folgte der Rechtsprechung der französischen
Gerichte und somit letztlich dem Scharia-Recht. Das Kindswohl wurde dem
Scharia-Recht untergeordnet. So wird Scharia-Recht en passant in Europa
eingeführt.
Im Iran wurde am 27. Februar
2019 ein Gesetz
verabschiedet, nach dem es erlaubt ist, Adoptivtöchter zu heiraten, sofern
diese mindestens 13 Jahre alt sind. Mädchen gelten mit 13, Jungen mit 15 als
heiratsfähig, Ehen können aber auch mit jüngeren Kindern geschlossen werden,
sofern der Vormund einwilligt.
Gründe, Kinder zur Adoption freizugeben
Die Gründe, weshalb
Frauen Kinder zur Adoption freigeben, sind quasi nicht erforscht. Das bezieht
sich auf Frauen, die sich während der Schwangerschaft dazu entscheiden, das
Kind nach der Geburt zur Adoption freizugeben, weil das in erster Linie die
Kinder sind, die Paare, die Leihmutterschaft favorisieren, als Alternative
akzeptieren würden.
Außerdem ist das neben der
Stiefkind-Adoption die einzige Form, bei der die biologischen Mütter
entscheiden können. Greift der Staat ein, ist sie entweder aufgrund von
Krankheit, Gewalt, Drogensucht, etc. nicht in der Lage, sich angemessen um das
Kind zu kümmern, oder sie ist verstorben. Bei der Stiefkind-Adoption werden die
Kinder nicht allgemein vermittelt, sondern von der neuen Partnerin oder dem
Partner adoptiert. Diese Kinder spielen bei der Debatte „Adoption statt
Leihmutterschaft“ keine Rolle.
Laut Wikipedia sind „die Gründe, weshalb Eltern ihre leiblichen Kinder
zur Adoption freigeben, … bisher wenig erforscht. Nach vorliegenden empirischen
Untersuchungen (aus den Jahren 1978 und 1993) sind es in erster Linie
wirtschaftliche (mangelndes Einkommen für ein weiteres, vielleicht nicht
geplantes Kind) und persönliche (Angst, vom Partner oder den Eltern nach der
Geburt allein gelassen zu werden) Motive (Hoksbergen in: Paulitz, S. 49 ff)“
.
Die Studie von 1978 kenne ich aus
meinem Studium, sie bezieht sich logischerweise ausschließlich auf die alte
Bundesrepublik. Seit 1993 hat es niemand für notwendig erachtet, die Situation
von Frauen, die ihre Kinder zur Adoption freigeben, zu erforschen. Übrigens
auch nicht die Situation der betreffenden Kinder.
Als ich studierte, Anfang der
1990er Jahre, war klar, dass ökonomische Notlagen, Stigmatisierung und
zerrüttete Verhältnisse, aus denen die Mütter kamen, die Ursache waren.
Vermutlich führte das zu der Studie von 1993.
Auch war klar, dass Jugendämter
ein Interesse daran hatten, dass Frauen eine ungewollte Schwangerschaft
austragen und die Kinder dann zur
Adoption freigeben. Wie bereits erläutert war die Nachfrage nach Adoptivkindern
damals erheblich höher als heute.
Inzwischen hat sich einiges
geändert, aber leider bei weitem nicht genug. Immer noch sind Kinder allgemein
ein Armutsrisiko – insbesondere für Frauen. Single-Mütter sind die größte Gruppe
unter den Menschen in ALG-II-Bezug. Auch Stigmatisierung spielt nach wie vor
eine große Rolle. Das bekommen Single-Mütter u.a. auf dem Wohnungsmarkt zu
spüren. Neben Familien mit mehreren Kindern oder Menschen mit ausländisch
klingendem Namen sind sie die Gruppe, die am schwierigsten eine Wohnung findet.
Neben Frauen in schwierigen ökonomischen Verhältnissen gehören Frauen, die
schon mehrere Kinder haben, zur zweiten großen Personengruppe, die sich für
einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden. Ob sie auch zu der Personengruppe
gehören, die Kinder direkt nach der Geburt zur Adoption freigeben, ist hingegen
nicht bekannt.
Wird eine Frau ungewollt
schwanger und möchte die Schwangerschaft abbrechen, ist sie zur Schwangerschaftskonfliktberatung
verpflichtet. Laut Gesetz, §219, sind Beratungsstellen gehalten, „die Frau zur
Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen“.
Lässt sie sich auf diesen
Gedanken ein und sieht keine Perspektive, mit dem Kind zusammenleben zu können,
oder eine betroffene Frau möchte z. B. aus religiösen Gründen die
Schwangerschaft nicht abbrechen, dann kommt das Thema Adoption zur Sprache und
somit das Jugendamt ins Spiel. Das ist die Behörde, bei der die Liste mit den
Adoptionsnachfragen liegt. Auch wenn ganz sicher nicht alle SachbearbeiterInnen
die werdenden Mütter derart voreingenommen beraten, so wird in den meisten
Fällen der Gedanke im Hinterkopf sein, dass es Adoptionswillige gibt, bei denen
die Kinder es gut hätten.
(Sexualisierte) Gewalt gegen Kinder
Aber haben es die Kinder auch
wirklich gut? Da wird es sicherlich sehr unterschiedliche Erfahrungen geben,
wie in anderen Familien auch. Und – NEIN! – Mütter sind keine Heiligen. Gewalt gegen
Kinder ist ein gravierendes Problem in unserer Gesellschaft und daran sind
Mütter maßgeblich beteiligt.
Angaben zu Stief- oder
Adoptiveltern als GewalttäterIn habe ich nicht gefunden, allerdings sind
Stiefväter in überproportional hohem Maße als Täter bei Sexualstraftaten gegen
Kinder ausgewiesen.
Laut Polizeistatistik gab es
2018 3.487 registrierte Fälle von Kindesmisshandlung mit 4.180 Opfern, 58,1%
davon männlich, 41,9% weiblich. Geschätzt 5-10% aller Eltern wenden
Körperstrafen als „normale“ Erziehungsmethode an. Als TäterInnen treten Frauen
und Männer gleichermaßen in Erscheinung .
Die Polizeistatistik
in Bezug auf Sexualstraftaten gegen Kinder weist für 2016 12.000
Ermittlungs- und Strafverfahren aus. Die Opfer waren zu 75% Mädchen, 25%
Jungen.
25% der Fälle ereigneten sich
innerhalb der Familie. 50% im Nahbereich, Fremdtaten sind die Ausnahme, Täter
etwa 80-90% Männer und männliche Jugendliche. Stief- oder Adoptivväter oder
–brüder werden dort nicht als eigenständige Tätergruppe geführt
Die Aktion
Kinderschutz macht diese
Unterscheidung. Demnach waren im Jahr 2014 10,3% der ermittelten
Tatverdächtigen die eigenen Väter, 11,7% Stiefväter, bzw. neue Partner der
Mutter des betroffenen Kindes. Da mehr Kinder mit dem eigenen Vater
zusammenleben als mit einem Stiefvater oder dem neuen Partner der Mutter,
ergibt sich daraus ein erhöhtes Risiko bei Stiefvätern oder neuen Partnern der
Mutter.
Auch wenn Väter bekanntermaßen
skrupellos sein können ihren Kindern gegenüber – ja, auch Mütter können das –
so leuchtet dennoch ein, dass die Hemmschwelle – insbesondere bei Sexualstraftaten
– niedriger ist, wenn es sich nicht um das leibliche Kind, „das eigene Fleisch
und Blut“ handelt.
Große psychische Belastung
Es ist bezeichnend, dass es so
gut wie kein Wissen gibt über Mütter, die ihre Kinder zur Adoption freigaben,
wenig über die Situation dieser Kinder und über die der Adoptiveltern.
Bekannt ist, dass adoptierte
Kinder sehr häufig unter Posttraumatischen
Belastungsstörungen (PBS) leiden. Das hängt häufig mit der Ausgangslage,
der Situation in der Herkunftsfamilie oder Erfahrungen im Heim zusammen. Diese
Erfahrungen kann ihnen leider auch eine neue Familie nicht nehmen. Die neuen
Eltern können nur versuchen, diese aufzufangen.
Viele Adoptivkinder leiden unter
dem Gefühl, nicht gewollt gewesen zu sein. Das mag in einigen Fällen so sein,
in aller Regel aber liegt es nicht daran, dass Mütter Kinder nicht wollen, die
sie zur Welt bringen, sondern dass sie entweder nicht in der Lage sind, diesen
Kindern entsprechende Rahmenbedingungen zu bieten, oder dass sie befürchten,
das nicht zu können. Die meisten Mütter, die sich dafür entscheiden, eine
Schwangerschaft auszutragen und das Kind direkt nach der Geburt zur Adoption
freizugeben, tun das aus Verzweiflung und in der Hoffnung, dem Kind so ein
besseres Leben zu ermöglichen.
Die meisten dieser Frauen sind
schwer traumatisiert. Darüber können sie in aller Regel mit niemandem reden –
oft bis an ihr Lebensende. Da viele der betroffenen Frauen sehr jung sind, kann
das 70-80 Jahre heißen. Jahrzehnte, in denen sie sich quälen mit dem Trauma und
der vermeintlichen Schuld.
Frauen, die ihr Kind zur
Adoption freigeben, sind die am meisten geächteten Personen in unserer
Gesellschaft. Und das, obwohl gerade die Mittelschicht, also die Mehrheit der
Gesellschaft, den höchsten Bedarf an diesen Kindern hat. Prostituierte sind im
Vergleich zu diesen Müttern geachtete Persönlichkeiten und selbst Mord kann
gesühnt werden – die „Schuld“ dieser Mütter nie.
Reden können sie nicht darüber.
Es ist auch wenig überraschend, dass in die von mir bei Facebook initiierte
Debatte über Adoptionen sich vergleichsweise viele zu Wort meldeten, die
ihrerseits adoptiert wurden, aber keine einzige Frau, die ihr Kind zur Adoption
freigab. Möglicherweise gibt es in dem Umfeld keine Frau, die diesen Horror
durchmachen musste.
Allerdings melden sich diese
Frauen auch sonst nicht zu Wort, sie sind nicht Gegenstand der medizinischen
oder sozialwissenschaftlichen Forschung, sie sitzen nicht in Talkshows, sie
bekommen von Joko und Klaas keine Sendezeit geschenkt. Sie schreiben keine
Biographien, sie tauchen ganz einfach nicht auf. Sie werden nicht nur aus der
Biographie ihrer Kinder gelöscht, sondern aus der gesamten Gesellschaft.
Nach den Vätern wird nie
gefragt. Weder positiv – wie geht es ihm damit – noch negativ – wo war er, als
die Mutter in dieser Not war?
Die Mütter treten höchsten in
Erscheinung als Protagonistin von Schmonzetten, in denen die böse Rabenmutter
nach Jahren auftaucht und das Familienglück der glücklichen Adoptivfamilie
bedroht. Am Ende liegen sich dann biologische Mutter, Adoptivmutter und das
inzwischen erwachsene Kind, das natürlich gar nicht wusste, dass es adoptiert
ist, gerührt in den Armen, es fließen Tränen und das nun erwachsene Kind
verzeiht der biologischen Mutter großmütig.
So bekommen die betreffenden
Frauen in schönster Regelmäßigkeit ihre „Schuld“ vor den Latz geknallt. Und
auch das Gefühl real betroffener Personen, nicht gewollt gewesen zu sein, wird
so bestärkt.
Insgesamt wird der
gesellschaftliche Blick auf das Thema Adoption so mit geprägt: Die abgebenden
Mütter sind die Bösen, die Kinder deren Opfer und die Adoptiveltern die Guten.
Wer fragt schon nach dem Egoismus der Adoptiveltern? Wer stellt in Frage, dass,
wer Verantwortung für ein Kind übernehmen möchte, dieses adoptieren und damit
das Band zur Herkunftsfamilie durchtrennen muss? Wer stellt den Egoismus in Frage,
ein Kind besitzen zu wollen?
Rechtsansprüche, z. B. in
Erbangelegenheiten, Auskünfte im Krankenhaus, Pflege, etc. müssen anders
geregelt werden, als die Bindung der Kinder an die Herkunftsfamilie zu
durchtrennen.
Abgesehen davon: Was, wenn das
Kind ernsthaft krank wird? Erwiesenermaßen ist bei einigen Erkrankungen die
Möglichkeit, eine Spenderin/einen Spender unter Blutsverwandten zu finden, am
höchsten. Wer übernimmt die Verantwortung dafür, dass adoptierte Menschen
darauf nicht zurückgreifen können und eventuell deshalb sterben?
Fazit
Bis auf in wenigen Ausnahmen, in
denen die Kinder wirklich niemanden mehr haben oder es mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Weg zurück gibt in die Herkunftsfamilie,
gibt es keinen Grund für eine Adoption. Dass Frauen, aus welchen Gründen auch
immer, keine Kinder bekommen können, kann und darf nicht zum Problem anderer
Mütter werden. Dass homosexuelle Paare miteinander keine Kinder zeugen können,
ist keine Diskriminierung, sondern schlicht Natur.
Wer Verantwortung für ein
nicht-leibliches Kind übernehmen möchte, sollte alles dafür tun, dem Kind den
Weg zurück in die Herkunftsfamilie nicht zu versperren, das Kind, so das
möglich ist, mitsamt seiner Mutter aufnehmen.
Um – vor allem häufig sehr
jungen – Frauen die traumatische Erfahrung des Verlusts des Kindes nach der
Geburt zu ersparen, muss sehr viel stärker auf Aufklärung gesetzt werden,
Verhütungsmittel müssen kostenlos zugänglich sein, Verhütungsmittel für Männer
und Jungen müssen stärker erforscht werden, Möglichkeit wie „die Pille danach“
müssen selbstverständlich werden, ebenso wie das Recht , eine ungewollte
Schwangerschaft abzubrechen. Frauen, die unter allen Umständen, wie widrig
diese auch sein mögen, mit dem Kind zusammenleben möchten, müssen alle
erdenkliche Unterstützung bekommen. Es ist eine Schande für diese Gesellschaft,
dass Kinder für Frauen immer noch eine Armutsfalle sind, dass Single-Mütter die
größte Gruppe im ALG-II-Bezug sind, dass Single-Mütter oder Familien mit
mehreren Kindern praktisch vom Wohnungsmarkt ausgeschlossen sind, dass Frauen
Berufstätigkeit und Familie immer noch nicht miteinander vereinbaren können und
so in die Armutsfalle tappen.
Das zu ändern, und sich mit den
Müttern zu solidarisieren, wäre Aufgabe von Frauenrechtlerinnen. Der Feminismus
ist keine Kinderwunsch-Agentur!
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