Kleiner Einblick in fundamental-islamische Netzwerke am Beispiel der Omaima A.
Text: Birgit Gärtner
Jede kennt und stützt jeden
Dass in der salafistischen Szene quasi jede mit jedem bekannt ist, machen
meine Recherchen hinsichtlich der Aktivitäten von Omaima A. deutlich, der
Hamburger IS-Rückkehrerin, die von der libanesischen Journalistin geoutet wurde.
Auch, dass die Grenzen zwischen salafistischen Netzwerken, also jenen, die
Gewalt zur Durchsetzung der Scharia zumindest in Kauf nehmen, und den legalistischen
Strukturen, also jene, die zur Durchsetzung der Scharia auf den Marsch durch
die Institutionen setzen, recht durchlässig sind; ebenso ins Kleinkriminelle
Milieu. (Quelle: Telepolis)
Würden wir uns noch die Anwältinnen und Anwälte anschauen, die sowohl die
Klein- und Großkriminellen und die „Gefangene der Tawaghit“ als z. B. auch
Opfer rassistischer Anschläge vertreten, wird es – auf gut deutsch gesagt –
richtig eklig. Letzteres sparen wir uns für ein anderes Mal auf.
Salafistische (Frauen)Netzwerke
Im Mai 2012 führte Omaima A. ein
Spendenkonto; und zwar zur Unterstützung von Murat K.. Das war einem Aufruf in
dem inzwischen geschlossenen "Mumin Shop" zu entnehmen. Der
"Bruder", so wurde er dort genannt, säße im Gefängnis, weil "die
Tawaghit ein Exempel" an ihm "statuieren wollen".
"Tawaghit" sind die "Feinde Mohammeds". Murat K. war wegen
versuchten Polizistenmordes angeklagt, musste sich wegen gefährlicher
Körperverletzung, Landfriedensbruchs und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte
vor Gericht verantworten. Er wurde zu sechs Jahren verurteilt und, nachdem er diese verbüßt
hatte, im Mai 2018 in die Türkei abgeschoben. In der salafistischen Szene war
der "Bruder" für seine Tat als "Löwe" gefeiert worden.
Konkret verlieh ihm Denis Cuspert
alias Rapper Deso Dogg diesen Ehrentitel. Murat K. hatte mit einem Messer zwei
Polizeibeamten in die Oberschenkel gestochen. Die Staatsanwaltschaft ging davon
aus, dass er gezielt in die Oberschenkel gestochen habe, um die Hauptschlagader
zu verletzen und wertete den Angriff als Mordversuch.
Der Vorfall ereignete sich im Mai
2012. Damals demonstrierte die rechtsextreme Partei "Pro NRW" gegen
die saudi-arabische "König-Fahd-Akademie" in Bonn. Dagegen wiederum
hatten Salafisten mobilisiert. Murat K. lebte damals im hessischen Sontra und konnte
einen Lebenslauf vorweisen, der später immer wieder Beteiligte an
Terroranschlägen beschreiben sollte: Laut Spiegel geriet "der Sohn türkischer Einwanderer"
bereits als Teenager "auf die schiefe Bahn, brach ein, nahm Drogen,
überfiel Kioske, prügelte sich in Straßenbahnen und klaute Handys".
"Ich war kein guter
Mensch", zitiert ihn das Nachrichtenmagazin aus Hamburg, doch sei daran
auch die Gesellschaft schuld gewesen: "Mir wurden Alkohol und Zigaretten
gegeben. Die Sachen wurden mir so hingestellt."
Dem Magazin zufolge änderte sich das,
nachdem er den Salafisten-Prediger Pierre Vogel kennenlernte und in der Religion,
der "wahren Religion", Halt fand. "Mit großer Begeisterung
lauschte K. den Vorträgen des charismatischen Salafisten-Predigers und
Ex-Berufsboxers Pierre Vogel und versuchte, sich an der berüchtigten
Islamschule in Braunschweig fortzubilden", so der Spiegel.
Im Mai 2012 führten ihn seine frommen
Wege nach Bonn, wo die Ungläubigen nicht nur gegen die saudische Akademie
protestierten, sondern dabei auch noch Mohammed-Karikaturen zeigten. Damit
hatten die Polizeibeamtin und ihr Kollege, die Opfer seines Messerangriffs
wurden, zwar nichts zu tun, aber, so argumentierte er dem Spiegel
zufolge vor Gericht:
Der Staat habe es erlaubt, dass die
Mohammed-Karikaturen gezeigt würden und deshalb sei es die Pflicht jedes
rechtgläubigen Muslims gewesen, dessen Repräsentanten anzugreifen. Die
Polizisten hätten ihren Dienst "ja verweigern können", rechtfertigte
K. auf krude Weise seinen Angriff.
(Quelle: Spiegel)
Als Prozessbeobachter fand sich
seinerzeit auch Bernhard Falk ein, ehemaliges Mitglied der
"Antiimperialistischen Zelle", der ebenfalls den Glauben für sich
entdeckte und ein Unterstützungsnetzwerk für salafistische "Brüder"
im Knast aufbaute. In diesem Netzwerk, das nicht zwangsläufig an die Strukturen
von Falk gebunden sein muss, spielen Frauen eine große Rolle. Frauen wie Omaima A..
Zentrum der Bewegung
Die inzwischen geschlossene
"König-Fahd-Akademie" in Bonn war sozusagen der Außenposten des
sunnitischen Königshauses von Saudi-Arabien. Eingeweiht wurde das knapp 30
Millionen DM teure Objekt am 15. September 1995; offiziell als Schule für
Kinder aus saudischen Familien, die vorübergehend in Deutschland lebten.
Entsprechend war der Lehrplan
unabhängig von staatlicher Kontrolle. Das war jedoch nur ein Teil der Wahrheit,
der Akademie war eine Moschee angeschlossen und sie wurde nicht nur von
vorübergehend hier lebenden Kindern besucht. Bereits Anfang dieses Jahrtausends
deckte u.a. das Politmagazin "Panorama" enge Verbindungen zu
fundamental-islamischen Kreisen in Deutschland auf.
So war Ibrahim El-Zayat offiziell
beim Bonner Amtsgericht als Begünstigter im Falle einer Vereinsauflösung
eingetragen. El-Zayat galt in den 1990er Jahren als Vertreter des "World
Assembly of Muslim Youth" (WAMY) und bekleidete eine hohe Funktion im
"Islamischen Konzil Deutschland", das indes seit 2003 nicht mehr
öffentlich in Erscheinung getreten ist.
El-Zayat war von 2002 bis 2010
Vorsitzender der "Islamischen Gemeinschaft Deutschland" (IGD), die
sich kürzlich in "Deutsche Muslimische Gemeinschaft" (DMG)
umbenannte, und er gehörte zum Vorstand von "Islamic Relief Germany".
Die arbeitet vorwiegend caritativ und wird von israelischen Behörden
bezichtigt, die Hamas zu unterstützen. "Islamic Relief" wird dem
Geflecht der Muslimbruderschaft (MB) zugerechnet und wurde u.a. vom Profikicker
Mesut Özil unterstützt.
Über die Akademie in Bonn wurden
Stipendien für Koranstudien in Mekka und in Pakistan vergeben. Beim Casting der
Studenten war u.a. Naadem Elyas, der ehemalige Vorsitzende des
"Zentralrats der Muslime in Deutschland e.V." (ZMD), behilflich. Außerdem vermittelte Ahmad von Denffer vom
"Islamischen Zentrum München" (IZM) Stipendien für Koranschulen in
Islamabad.
Eine der von ihm vermittelten
Stipendiatinnen war die unermüdlich für den Hijab im Staatsdienst kämpfende
Fereshta Ludin, die ihrerseits im "Scharia-Rat" der
"Muslimischen Jugend Deutschland" saß. Die "Muslimische
Jugend" wird ebenfalls dem Geflecht der Muslimbruderschaft zugeordnet.
Gegründet würde die "Muslimische Jugend" im "Haus des
Islam", das vom deutschen Konvertiten Wolfgang Borgfeld alias Mohammed
Siddiq ("der Wahrheitsliebende") mit Hilfe von Spenden u.a. aus
Kuwait aufgebaut wurde.
Fereshta Ludin versuchte zu
erstreiten, dass sie in Baden-Württemberg als Lehrerin mit Hijab in den
Staatsdienst übernommen wurde. Nachdem die seinerzeit damit scheiterte, kam sie
an einer Schule in Berlin unter, die vom türkischen Pendant der
Muslimbruderschaft, der "Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs" (IGMG)
geführt wird.
Einige der Stipendiaten, die von der
"König Fahd-Akademie" an Koranschulen in Saudi Arabien oder Pakistan
vermittelt wurden, machten später als Terroristen von sich reden oder wurden mit terroristischen Anschlägen in Verbindung gebracht.
Viele Gotteskrieger kommen aus
dem kleinkriminellen Milieu
Vor eben jener Einrichtung
protestierte im Mai 2012 die rechtsextreme Pro NRW. Das wiederum veranlasste
erzürnte Gottesfürchtige zu einer Gegendemonstration. Unter ihnen besagter
Murat K., der mit Pierre Vogel den rechten Weg, sprich den
"wirklichen" Glauben gefunden hatte. Auch Pierre Vogel ging 2004 mit
einem Stipendium für drei Semester an das Arabische Institut für Ausländer an der Umm-Al-Qura-Universität
in Mekka.
Zusammen mit dem gebürtigen
Palästinenser Ibrahim Abou-Nagie versuchte Pierre Vogel gezielt, Kinder und
Jugendliche zum salafistischen Islam zu bekehren. Ibrahim Abou-Nagie startete
das deutsch-sprachige Internetportal "die wahre Religion". Daraus
entstand der Verein "die wahre Religion" (DWR), bzw. die "Stiftung
Lies", die durch Koranverteilungen in bundesdeutschen Innenstädten von
sich reden machte. DWR wurde 2016 verboten, obwohl der Berliner
Menschenrechtsanwalt Hans-Eberhard Schultz versuchte, das zu verhindern.
Pierre Vogel gilt gemeinsam mit dem
hessischen Kurden Bilal Gümüs als Initiator der Kampagne "We love
Muhammad", die nach dem Vorbild der "Lies"-Kampagne durch
Koranverteilungen in Innenstädten jugendlich für den Islam zu bekehren
versuchte. "Lies" wurde verboten, weil angeworbene Jugendliche sich
zum Dschihad nach Syrien aufmachten.
Pierre Vogel hatte auch Kontakt zu
Denis Cuspert alias Deso Dogg: In einem in der Neuköllner
"Al-Nur-Moschee" aufgenommenen Video sprach der Rapper der Konrad Adenauer Stiftung zufolge mit Pierre Vogel und
erklärte seinen Ausstieg aus dem Rap-Geschäft. Auch Cuspert hatte eine
"Karriere" als Kleinkrimineller und Gewalttäter hinter sich und fand
eigenen Angaben zufolge schließlich Halt im Glauben.
Gemeinsam mit dem Österreicher
Mohamed Mahmoud gründete er die "Millatu Ibrahim Moschee" in
Solingen. Auch "Millatu Ibrahim" tingelte durch die Städte und
versuchte junge Menschen zum Islam zu bekehren. Ende Mai 2012 wurde die
Organisation verboten, Cuspert setzte sich ins Kalifat ab, wo er zu einer
"der Hauptpersonen des Al Hayat Media Centers, der Medienorganisation der
Terrormiliz Islamischer Staat" aufstieg.
Später heiratete er nach islamischem
Recht Omaima A., nachdem deren Ehemann Nadir Hadra in die ewigen
Weintraubenberge eingegangen war (Gotteskriegern wird als Lohn versprochen, im
Paradies warteten 72 Jungfrauen auf sie, die nach jedem Geschlechtsverkehr
wieder zur Jungfrau würden. Allerdings sind sich Islamwissenschaftler nicht einig,
ob die richtige Übersetzung des arabischen Wortes nicht vielleicht doch
"Weintraube" sei und nicht "Jungfrau").
Nadir Hadra war auch in Sachen
"Lies" aktiv und Omaima A. hatte auch enge Kontakte zu Mohamed
Mahmoud. Das belegt das Bildmaterial in dem von Jenan Moussa gefundenen Handy.
Denis Cupsert war einer der
Wortführer bei der Demonstration im Mai 2012 vor der
"König-Fahd-Akademie" in Bonn, bei der Murat K. die Polizeibeamtin
und ihren Kollegen angriff, woraufhin Deso Dogg ihn zum "Löwen"
adelte.
Omaima A. setzt ihre
salafistische Tätigkeit offenbar ungehindert fort
Daraufhin trat Omaima A. auf den
Plan, sie organisierte die Spendensammlung für den "Löwen", der in
die Hände der "Feinde Mohammeds" geraten war. Inwiefern zu dem
Zeitpunkt persönliche Kontakte zwischen Omaima A. und Deso Dogg bestanden, ist
nicht bekannt. Sicher ist: Die beiden haben später im IS-Kalifat geheiratet,
die Harburgerin ist die Witwe des deutschen IS-Kämpfers, der in der Hierarchie
der Terrororganisation am weitesten nach oben gekommen ist.
Über das Handy hatte Jenan Moussa
auch Zugriff auf den Facebook-Account von Omaima A. Die Journalistin stellte
fest, dass die IS-Witwe auf der Facebook-Seite der Organisation "Ansaar
International" kommentiert hatte. Und zwar 4 Tage nachdem es bei dem
bundesweit agierenden Verein eine Großrazzia gab, fragte sie, wann das
Hamburger Spendenlager geöffnet sei. Das Posting wurde inzwischen gelöscht.
Auch "Ansaar International"
steht im Verdacht, die Hamas zu unterstützen. Laut der Westdeutschen Zeitung wurde Ansaar International von dem
Rapper Joel K. gegründet, der nach wie vor Vorsitzender des Vereins ist. Von
den etwa 15 Personen "an der Spitze von Ansaar" sollen einige bei
"Lies", bzw. der "wahren Religion" aktiv gewesen sein. Auch
der Rapper Farid Bang wird im Artikel der Westdeutschen Zeitung im Zusammenhang
mit der Unterstützung von "Ansaar International" genannt.
Laut Welt nennt sich Joel K. "Abu Rahma". Ein Foto auf
der Online-Platform Myspace zeigt ihn vor einer grünen Flagge mit dem
islamischen Glaubensbekenntnis Schahada, wie sie auch die Hamas verwendet. Joel
K. trat als Mitglied der Düsseldorfer Rapcrew BTM Squad erstmals öffentlich in
Erscheinung. … Ein Crewmitglied von K., Nabil M., veröffentlichte mehrere
Lieder mit dem Rapper und späteren IS-Terroristen Denis Cuspert alias Deso
Dogg.
Aus dem Lagebild Salafismus
Nordrhein-Westfalen geht hervor, dass der Verein in den vergangenen Jahren rund
zwölf Millionen Euro umgesetzt habe - nach eigenen Angaben. Recherchen von WELT
AM SONNTAG zeigen, dass organisierte Pilgerfahrten nach Mekka mit bekannten
Salafistenpredigern als eine Einnahmequelle angegeben wurden.
Auch dabei steht ein Unternehmen aus
Düsseldorf im Fokus: BLCK STONE. Der Reiseveranstalter wirbt auf der Homepage
mit organisierten Trips nach Saudi-Arabien und dem Versprechen: "Alle
unsere Gewinne werden dem Hilfsverein Ansaar International e. V.
gespendet!"
In diesem Netzwerk ist irgendwie
jeder mit jedem vernetzt. Die einen, wie Deso Dogg, Nadir Hadra und Omaima A.
setzen auf den bewaffneten Dschihad, die anderen, Wolfgang "Siddiq"
Borchert, der ZMD oder Fereshta Ludin, auf den sanften Dschihad, den Marsch
durch die Institutionen.
Beide erfahren öffentliche
Unterstützung, z. B. mit Hilfe von angeblich caritativen Organisationen wie
Islamic Relief oder Ansaar International, für deren Events Prominente aus
Politik, Medien, Kultur, Sport und Wirtschaft gefunden werden. Einem Eintrag
auf der Facebook-Seite
von „Ansaar International“ Hamburg ist zu entnehmen, dass sie von einer Schule
großzügig mit Sachspenden bedacht wurden.
Omaima A. hatte offenbar ein großes
Vorbild: Auf ihrem Handy fand Jenan Moussa ein Foto, auf dem ein gefälschter Ausweis zu sehen war - ausgestellt auf Fatima
Atta, geboren am 11.9.1985. Außerdem fand sie darauf das Foto einer
Wegbeschreibung.
Eingezeichnet war dort vermutlich der
Weg von der Wohnung der Familie A. zu dem geplanten "Firdaus Center".
Jenan Moussa stellte schockiert fest, dass das dort beschriebene Areal quasi
den Lebensraum von Mohammed Atta umreißt: Seine Wohnung und die Moschee, in der
er betete. Vermutlich hat die Zeichnung jedoch nichts mit Mohammed Atta zu tun,
sondern beide haben sich in der Nähe der Moscheen angesiedelt, die unter
Beobachtung des Verfassungsschutzes standen, u.a. weil dort salafistische
Prediger auftraten. Welcher Platz für ein Einkaufsparadies für die
"richtig" Gläubigen wäre geeigneter als der neben einer einschlägig
bekannten Moschee?
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