76 Jahre nach Auschwitz – Vergebungskitsch, Iran und Empörung ob häuserbauender Juden
Text Juliane Beer
Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz, wo zuvor mehr als 1000000 Menschen ermordet wurden.
Nachdem am 27. Januar 2021 die Bundesregierung zur üblichen Heuchel-Runde zusammenkam, dieses Jahr unter Anwesenheit der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch und der Publistizin Marina Weisband, denen die Aufgabe zukam, für Tränendrüsen- und Vergebungskitsch zu sorgen, fand, ebenfalls anlässlich, am Abend des 28. Januar eine nicht minder verstörende Veranstaltung statt.
Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Region Stuttgart e.V. lud unter dem Titel
Wie kann der iranischen Bedrohung begegnet werden?
zu einer online-Podiumsdiskussion mit diesen Gästen ein:
Renata
Alt MdB (FDP)
Dr. Stephan Grigat, Politikwissenschaftler
Josip Juratovic MdB (SPD)
Dr. Stefan Kaufmann MdB (CDU)
Cem Özdemir MdB (Bündnis 90/Die Grünen)
Stephan Grigat eröffnete mit einem Vortrag zur aktuellen Situation im Iran.
Die Dürftigkeit des Atom-Abkommens, Verfolgung, Enthauptung und Mord an Frauen, Homosexuellen, religiösen Minderheiten und politisch Andersdenkenden, die Vernichtung Israels als Staatsdoktrin – all dies dürfte den anwesenden PolitikerInnen bekannt gewesen sein. Doch kaum hatten die VertreterInnen von CDU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen das Wort konnten sie nicht nachdrücklich genug beteuern, wie sehr solcherlei Machenschaften zu verurteilen seien. Man wollte sich Augen und Ohren reiben bei diesem Konzert, das klang, als habe es nie auch nur ein einziges Geschäft oder Abkommen mit dem Iran gegeben, keine Zusammenarbeit der Stadt Hamburg mit dem Islamischen Zentrum Hamburg und seiner blauen Moschee, keine entfleuchten Glückwunschtelegramme an Mörder-Mullahs usw. usf.
Grigat
ließ nicht locker, er
wolle Taten sehen; das
Polit-Quartett gelobte, inzwischen mit sichtlichem Unbehagen,
Besserung. Einzig
Renata Alt von der FDP nahm man den Willen zu diesbezüglichem
Engagement tatsächlich ab, dafür verlor Cem Özdemir von Bündnis
90/Die Grünen die Lust am Phrasen-Dreschen und ließ heraus, was
offenbar
gesagt werden musste,
nämlich, dass
es
die
Juden
(und
-innen)
seien,
die Untaten
begingen, weshalb man sie aber dennoch nicht aufgeben wolle.
Sicher, wer kennt das nicht – man ist eingeladen, sich auf einer Veranstaltung zum Thema Iran zum Iran zu äußern, und da man die paar Patzer wie Mord, Folter und Enthauptung von Frauen, Homosexuellen und Andersdenkenden nicht dramatisieren möchte kommt man auf das tatsächliche universelle Dauerproblem der Menschheit zu sprechen: häuserbauende Jüdinnen und Juden in Judäa und Samaria.
Doch Grigat wäre nicht Grigat, würde er dies durchgehen lassen und Özdemir nicht vor aller Augen und Ohren zurechtweisen. Dafür sei ihm gedankt, und nein, das ist keine Selbstverständlichkeit, auch nicht auf Veranstaltungen anlässlich der Befreiung von Auschwitz. Özdemir verabschiedete sich wenig später verschnupft, seine KollegInnen auch, Grigat beantwortete in jetzt entspannter Atmosphäre die letzten Fragen des Publikums.
Wer gestern nicht dabei war und sich den Gedenk-Zirkus deutscher PolitikerInnen antun möchte kann dies (leider nur auf Facebook) hier tun:
https://www.facebook.com/DIGStuttgart
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