Kleinestadt-Krimi
Eine hanebüchene Geschichte. Bestimmt erfunden. Oder doch nicht?
Text und Foto-Collagen: Birgit Gärtner
Es klingt wie das Drehbuch zu einem völlig abgedrehten TV-Krimi, in dessen Mittelpunkt die Polizeiwache in Kleinestadt steht, einem absoluten Provinznest, da, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen und in dem jeder jeden kennt.
Und genau darauf baut die Geschichte auf.
Protagonisten sind zwei
Kriminalkommissare, nennen wir sie K1, der Macher, und K2, der Mitläufer.
Das Besondere an Kleinestadt? Die Bösen sitzen auf der Wache und die Guten werden verfolgt.
K1 und K2 haben beide türkische Wurzeln, weshalb sie ihre Amtsstube mit einer türkischen Flagge zieren. Das war die Idee von K1, K2 traute sich nicht zu widersprechen. Genauso wenig, wie er K1 anvertrauen mochte, dass er eigentlich nicht türkische, sondern armenische Vorfahren hat. Um es in der türkischen Community leichter zu haben, hatte er deshalb den Nachnamen seiner türkisch-stämmigen Ehefrau angenommen.
Die beiden arbeiten, naja, eigentlich arbeitet K1 mit zeitgemäßen wie unkonventionellen Mitteln: Statt auf die üblichen „Quellen“ setzt er auf eine Gruppe von Internet-Trollen und -Schnüfflern, die Accounts in sozialen Medien von Personen seiner Wahl ausspionieren, diese Personen provozieren, beleidigen und/oder bedrohen.
Jeder kennt jeden
K1 ist gut vernetzt, zum
örtlichen Imam, nennen wir ihn Herrn IM, zum Gefängnis-Imam, nennen wir ihn Herrn
GI, zu der beim DRK für Integration zuständigen Sozialarbeiterin, nennen wir
sie Frau S, ebenfalls mit türkischen Wurzeln. K1 und Frau S waren ein gutes Team,
vor vielen Jahren, lange schon vor der sogenannten Flüchtlingskrise 2015, als
sie gemeinsam mit einer dritten Person durch den Landkreis Großestadt tingelten
und Vorträge über gelungene Integration hielten. Zwar vermag er sich nicht so
recht daran zu erinnern, bzw. möchte sich nicht daran erinnern, aber
Zeitungsartikel belegen diese Zusammenarbeit, die seinerzeit von allen Beteiligten als "sehr gut" gelobt wurde.
K1 hat auch gute Kontakte zum Leiter der regionalen JVA, nennen wir ihn Herrn JVA, der wiederum gute Kontakte zur damaligen rot-grünen Landesregierung, insbesondere zur grünen Justizministerin, nennen wir sie Frau Grün, unterhielt. Diese legte in ihrer Amtszeit zwei kleinere Anstalten in Kleinestadt sowie das Untersuchungsgefängnis in Nachbarstadt zusammen und kreierte in der tiefsten Provinz so die größte JVA im ganzen Bundesland. Zum Leiter ernannte sie Herrn JVA.
Rückblende zurück in das Jahr 2015
Wie allerorten stand auch Kleinestadt vor dem Problem, den Ansturm von Flüchtlingen, die durch die Grenzöffnung der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel in das Land strömten und auf die Kommunen aufgeteilt wurden, irgendwie bewältigen zu müssen.
Der Stadtrat wollte sich deshalb Unterstützung aus berufenem Munde, von Frau S, holen – und zwar öffentlich, um die Vorgänge zu transparent wie möglich zu machen. Deshalb wurde eine Veranstaltung organisiert und Frau S als Referentin geladen.
Sie sprach viel. Über Turnhallen, die kurzfristig zu Asylunterkünften umgewidmet werden müssten, Hotels und Pensionen, die angemietet werden sollten, beispielsweise für Familie. Über Integrationskurse, die sich bei näherer Betrachtung als reines Angebot von Sprachkursen – auf freiwilliger Basis, versteht sich – entpuppten, und überhaupt, es schade ja niemandem, mal etwas Arabisch zu lernen, von Toleranz und Kultursensibilität, die den Kleinestädtern selbstverständlich abverlangt werden müsse.
Nur über eines redete sie nicht: Kulturelle Unterschiede, die zu massiven Problemen und massiven sozialen Verwerfungen in Kleinestadt führen könnten.
So viel Kultursensibilität sollte doch wohl möglich sein
Das stieß Herrn D, staatlich lizensierter Dolmetscher für Arabisch, Farsi und Paschtu, der u.a. für die JVA, die Ausländer- und andere Behörden in der Kreisstadt Großestadt arbeitete und seine Expertise nun auch ehrenamtlich in den Flüchtlingsunterkünften zur Verfügung stellte, sauer auf. Er wies daraufhin, dass diese kulturellen Unterschiede bedacht werden müssten und es zudem möglich sei, dass nicht nur Verfolgte ankämen und in den Unterkünften einquartiert würden, sondern auch Verfolger. So dass es nicht nur in der Stadtgesellschaft, sondern auch in den Unterkünften zu massiven Problemen kommen könne.
Herr D war Mitglied bei den Grünen und bei denen nicht nur stadt- sondern landesweit als Querulant bekannt. 2012, als die Landesregierung dem Beispiel Hamburgs folgend einen Staatsvertrag mit den islamischen Verbänden abschließen wollte und K1 mit Frau S Toleranz predigend durch den Landkreis zog, stellte er einen Gegenantrag auf dem Grünen-Parteitag, auf dem dieses Unterfangen beschlossen werden sollte.
Seither galt der muslimisch sozialisierte Araber parteiintern nicht nur als Querulant, sondern auch als antimuslimischer Rassist. Anders als mit Muslimhass ließ sich seine ablehnende Haltung ja nicht erklären.

Schließlich waren die Vertreter der Religion des Friedens, mit denen die Landesregierung verhandelte, ja alles bescheidene, freundliche, moderat auftretende Männer, die nichts anderes wollten, als in Ruhe beten – in den Schulen, am Arbeitsplatz und in der örtlichen Hoch- und Fachhochschule. Dass die islamischen Speisevorschriften in den Kantinen der Schulen, KiTas und in der Mensa bedacht würden, schien ihnen selbstverständlich. Ebenso wie Sonderregelungen für Mädchen aus muslimischen Familien den Sportunterricht und Ausflüge betreffend. Dass Lehrerinnen und Beamtinnen auf den Hijab während der Dienstausübung nicht verzichten müssten, wurde nahezu als allahgegeben betrachtet. So viel Kultursensibilität sollte doch wohl möglich sein?! Apropos Kultursensibilität: Da wäre noch die Themen Pflege, daheim und in den Kliniken und natürlich Bestattung.
Wenn all diese Probleme zur Zufriedenheit der islamischen Verbände gelöst würden, sei eine Einladung der örtlichen Politprominenz zu den öffentlichen Iftar-Festen doch eine Selbstverständlichkeit. So manche Grüne sah sich schon Arm in Arm mit dem zuständigen Imam publikumswirksam in jede Kamera lächeln …
Der Rufer in der Wüste
Herr D wollte genau das alles nicht. Schließlich war er nicht als junger Kerl vor genau diesem religiösen Diktat – und den damit verbundenen Repressionen für all jene, die sich dem nicht unterordneten – geflohen, um jetzt tatenlos zuzusehen, wie sich diese menschen-, vor allem frauenverachtende Ideologie nun in seiner neuen Heimat ausbreitete. Sollte beten wer wollte, aber er mochte damit nicht behelligt werden. Geschweige denn mit dem ganzen Rattenschwanz von Ge- und vor allem Verboten, die diese religiösen Riten mit sich brachten.
Aber wie so oft: Seine warnenden Rufe verhallten in der Wüste. Genaugenommen der Bleiwüste bedruckten Papieres im Politbetrieb. Zwar wurde der Staatsvertrag nicht wie beabsichtigt geschlossen, den islamischen Verbänden trotzdem viele (Sonder)rechte eingeräumt. Und die Iftar-Feste, die jedes Jahr opulenter – öffentlicher und somit raumgreifender – wurden, ließ sich kaum ein Politiker entgehen. Auch keine Politikerin, die sich keine Gedanken darüber machte, dass sie in der Moschee, von der sie so herzlich und exotisch bewirtet wurde, ansonsten gar nicht betreten dürfte. Oder wenn, dann durch einen ihr zugewiesenen speziellen Eingang, zu einem speziellen Bereich. Auch auf die schönen Pressefotos Arm in Arm mit dem Imam verzichteten sie letzten Endes auch gern. So viel Kultursensibilität musste doch möglich sein!
Für die islamischen Verbände verlief alles zwar nicht nach Plan, aber in die richtige Richtung. Herr D hingegen hatte seinen Ruf weg. Und dieser eilte ihm voraus, als er – mittlerweile selbst Ratsherr in Kleinestadt – die Stimme erhob, um auf mögliche Probleme bedingt durch die große Anzahl von Menschen aus einem völlig anderen Kulturkreis hinzuweisen. Das Thema Gewalt – auch unter den Flüchtlingen – hatte er noch nicht einmal angesprochen.
Frau S wurde schließlich offiziell zur Beauftragten des Rates von Kleinestadt für die größte Unterkunft in der Turnhalle der örtlichen Grundschule ernannt. Die Kinder konnten ja nachmittags draußen toben und für die Turnlehrerin würden sich andere Aufgaben finden. Schließlich gab es in ihrem Refugium ja allerhand zu tun.
Zur Sicherheit wurde ein Wachschutz engagiert, der seinerseits Muslime, u.a. aus dem örtlichen libanesischen Clan, engagierte. Alles Schiiten, aber Hauptsache Moslems. Die würden es mit den Nazis schon aufnehmen, die die Unterkunft sicher bald angreifen würden. Zwar waren auf der Demo gegen die geplante Unterkunft vor allem Herr X aus dem Kaninchenzüchterverein und Frau Y, die engagierte Kindergartenmutter, gesehen worden, aber sie würden schon kommen, die gewaltbereiten Nazis. Und so ein clanerprobter Libanese würde wissen, was dann zu tun sei.
Es kam wie es kommen musste
Zwar keine Nazis, die die Unterkunft attackierten, sondern die Probleme. Zunächst einmal vor der Moschee. Diese lag mitten in der City, schließlich sollten den heimischen Muslimen nicht das Gefühl der Ausgrenzung gegeben werden, und wurde recht schnell zu klein für den unerwarteten Ansturm an Gläubigen insbesondere zum Freitagsgebet. So dass dieses einfach vor die Moschee und damit in die Einkaufszone von Kleinestadt verlegt wurde. Zum Verdruss der ansässigen Geschäftsleute, Gastronomen und Beschicker des Wochenmarktes, denen die Kundschaft ausblieb, zunächst Freitagsnachmittags, aber nach und nach wurde der Platz vor der Moschee zum Treffpunkt großer Gruppen geflüchteter Männer, so dass die Kauflust der Kleinestädter – vor allem der Kleinestädterinnen – rapide sank. Cafés und Restaurants gab es ja woanders auch. Deren Betreiber wiederum freuten sich natürlich über die Umsatzsteigerung. Aber viele blieben halt einfach zu Hause, was niemanden wirklich glücklich machte.
Im Rat von Kleinestadt kamen Zweifel auf, ob das zwar schöne, jedoch baufällige Gebäude, in dem die Moschee untergebracht war, für diesen Ansturm an Personen überhaupt geeignet war. Also wurde eine Begehung geplant. „Aber zu unseren Bedingungen!“, forderte Herr D. „Das heißt, die Ratsfrauen können die Moschee in genau der Kleidung besichtigen, die sie auch zu den Ratssitzungen tragen!“.
Freundlich lächelnd wurde dieses Ansinnen von Herrn IM abgelehnt. So viel Kultursensibilität müsse schon sein! Selbstverständlich seitens des Rates von Kleinestadt – nicht der Moschee.
So kam es, dass eine kleine Abordnung, bestehend ausschließlich aus Ratsherren, in Begleitung von einigen Fachleuten, pardon, Fachmännern, das Gebäude besichtigten, anschließend eine Mängelliste erstellten, diese Herr IM präsentierten und der islamischen Gemeinde eine Frist setzten, in der die Moschee geschlossen blieb und diese Mängel behoben würden.
Herr IM hatte daraufhin einen ständig wiederkehrenden Traum: Er sah sich selbst am Lenkrad eines Autos sitzen, das zügig über die Autobahn braust, eine Tasche voller Geld – insgesamt 100.000 € – zwischen die Beine geklemmt, auf dem Weg von der kuwaitischen Botschaft in der Bundeshauptstadt zurück in seine Moschee in Kleinestadt.
Das war selbstredend nur ein Traum von Herrn IM, die Mängel indes wurden fristgerecht behoben und der Moscheebetrieb und damit auch die öffentlichen Freitagsgebete wieder aufgenommen. Sie sind halt spendabel, die Anhänger der Religion des Friedens, und ihre Moschee ist ihnen einiges wert. Nur auf die Einladung zum öffentlichen Iftarfest musste die Politprominenz in dem und den beiden kommenden Jahren leider verzichten. Die Kosten für die Baumaßnahmen belasten die Gemeinde halt immer noch. Was sie allerdings nicht davon abhielt, während des Ramadans allabendlich die gesamte Fußgängerzone für sich zu beanspruchen. Nur eben ohne die Abgeordneten.
Und ohne die Frauen, die zwar die Speisen vorbereiten und hinterher abräumen, aber diese nicht mit den Männern einnehmen durften, sondern essen mussten, was die Männer ihnen übrig ließen. Wenigstens die Frauen hatten in den vergangenen Jahren von der Show für den Politzirkus profitiert und wurden – zwar an separaten Tischen und in gebührendem Abstand zu den Männern – in der Öffentlichkeit platziert. Jetzt verschwanden sie wieder dorthin, wo der Islam ihnen ihre Rolle zuteilt: Als Dienstmagd in der Unsicht- und auch Unhörbarkeit.
Die Probleme ließen sich nicht übersehen
Insbesondere durch seine ehrenamtliche Tätigkeit als Dolmetscher in den Asylunterkünften bekam Herr D tiefe Einblicke in das Leben dort. Und er nahm Probleme wahr – die alle anderen gern verschwiegen hätten. So fiel ihm ein Mann auf, der aus demselben Land kam, aus dem er einst geflohen war. Ihm war sofort klar, dass dieser nicht bedroht, sondern eine Bedrohung war. Für die Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung in der Unterkunft, aber auch für die Kleinestädter oder – wer weiß wo sonst. Er brachte seine Wahrnehmung zur Sprache, wurde wie üblich nicht ernstgenommen, sondern als Rassist beschimpft. Später stellt sich heraus, besagter Mann war aus welchen Gründen auch immer in sein Herkunftsland zurückgekehrt und dort wegen eines Banküberfalls und verschiedener brutaler Gewaltdelikte verhaftet.
Auch kam Herrn D zu Ohren, dass die Wachleute, jene Schiiten, die die Unterkunft vor Übergriffen von außen bewahren sollten, ihre Position ausnutzten, um ein Bordell daraus zu machen. Die dort einquartierten Frauen wurden gezwungen, auch unter Ausübung von Gewalt, ihnen sexuell zu Diensten zu sein. Als Herr D dies öffentlich machte, wurde nicht nur er beschimpft, sondern auch die betroffenen geflüchteten Frauen angefeindet. Schließlich konnte nicht sein, was nicht sein durfte.
Immer wieder kam es zu öffentlichen Disputen zwischen Herrn D und Frau S.
Diese war wie K1 sehr gut vernetzt – in der muslimischen Community, aber auch in der Stadtgesellschaft. Auch wenn er nie öffentlich darüber geredet hätte, Herr JVA wandte sich mitunter an sie, wenn es in den Anstalten zu Problemen kam. Stillschweigend vermittelte sie ihm ein vermeintliches Kompetenzteam, Aussteiger aus der salafistischen Szene und heute angeblich moderate Muslime, die zur Deradikalisierung einiger muslimischer Gefangener beitragen sollten. Ganz so moderat wie Frau S sie beschrieb, erschienen diese Herrn D nicht. Er recherchierte und fand heraus, dass diese zwar ihre Ideologie nicht abgelegt, aber ein cleveres Geschäftsmodell entwickelt hatten. Darüber informierte er Herrn JVA, der sein Dienstherr war.
Herr Internet wird aktiv
Es gab eine Reihe weiterer Vorkommnisse, immer war es Herr D, der gut begründet Missstände aufzeigte, immer wurde er diffamiert und angefeindet. Zunehmend auch in den sozialen Netzwerken. Insbesondere ein junger Mann fiel diesbezüglich auf, nennen wir ihn Herrn Internet. Dieser nutzte zwar ein Pseudonym, gab sich aber als türkisch-stämmig zu erkennen, provozierte ohne Unterlass, beschimpfte und bepöbelte nicht nur Herr D, sondern auch dessen Mutter. Schließlich drohte er sogar damit, den Töchtern von Herrn D Gewalt anzutun.
Das war der Moment, in dem sich Herr D an die Polizei wandte. Im Kommissariat traute er seinen Augen nicht, als er die türkische Flagge an der Wand hinter dem Schreibtisch von K1 sah. Dieser war nicht da und K2 zuckte nur müde mit den Schultern. Er wisse auch nicht so recht, aber dem Kollegen sei das halt wichtig. Herr D schilderte K2 sein Anliegen. Der notierte alles brav und versprach, sich zu kümmern. Herr D hörte von der Anzeige nie wieder was.
Plötzlich sah Herr D sich seinerseits mit lauter Anzeigen konfrontiert. Jemand schien akribisch seine Accounts in den sozialen Medien zu durchforsten und jede „Verfehlung“ zur Anzeige zu bringen. Beispielsweise, wenn er Karikaturen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoǧan übernahm, die jemand gepostet hatte. In einer war das „o“ in Erdoǧan durch ein Hakenkreuz ersetzt. Dass diese möglicherweise strafbar sein könnte, darauf wäre Herr D. niemals gekommen. Schließlich war klar, dass er damit nicht dem Faschismus huldigen, sondern Recep Tayyip Erdoǧan als Faschisten kennzeichnen wollte.
Mit den Anzeigen hörten plötzlich die wüsten Beschimpfungen und Drohungen seitens Herrn Internet auf.
Schwenk in die Gegenwart
Konkret in eine Gerichtsverhandlung des Landgerichts Großestadt, in dem die Fälle auch aus Kleinestadt verhandelt werden. Nachdem Herr D wegen der Erdoǧan-Karikatur angezeigt wurde, nahm er sich einen Anwalt. Als dieser Akteneinsicht beantragte und diese gewährt wurde, stellt sich heraus, dass Herr D. von K1 angezeigt worden war.
Da Herr D sich nicht vorstellen konnte, dass K1 seine Freizeit damit verbrachte, soziale Medien nach Accounts von Menschen zu durchforsten, die als Anzeigensteller im Kommissariat aufgetaucht waren, erinnerte sich Herr D wieder an Herrn Internet, von dem er zwar lange nichts mehr gehört hatte, dem aber ja der Inhalt der von Herrn D verfassten oder übernommen Beiträge aufgefallen waren und offensichtlich maßlos empört hatten. Herr D begann nun seinerseits auf dem Account von Herrn I. zu recherchieren, eigentlich, um eine Verbindung zwischen Herrn Internet und K1 herzustellen. Diese ließ sich nicht belegen, aber er fand etwas anderes, höchst Interessantes heraus: Nämlich, dass es sich bei Herrn Internet mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um den Sohn von Frau S handelte. Also musste es eine Verbindung zwischen Frau S und K1 geben. Das war auch naheliegend, schließlich hatten beide mit Kriminellen, bzw. dem islamisch-kriminellen Milieu sowie dem Gefängnis und Herrn JVA zu tun.
Also lässt Herr D seinen Anwalt K1 vor Gericht befragen, ob er Kontakt zu Herrn Internet oder Frau S hätte. K1 verneint. Da Herr D zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, dass es sogar mediale Belege für die Zusammenarbeit zwischen K1 und Frau S gibt, bleibt die Aussage unwidersprochen stehen.
Das Landgericht spricht Herrn D frei, doch die Gegenseite legt Berufung ein.
Plötzlich bekommt Herr D Probleme in seinem Job. Herr JVA lässt ihn in das Untersuchungsgefängnis in Nachbarstadt versetzen, das der JVA Kleinestadt angegliedert ist. Dort darf er nicht mehr seiner Tätigkeit als Dolmetscher nachgehen, sondern muss Hilfstätigkeiten verrichten. Schließlich werden ihm permanent mit angeblichen Pflichtverletzungen vorgeworfen, die er alle widerlegen kann, trotzdem wird er schließlich entlassen - und zwar obwohl er eine anerkannte Behinderung von 70% hatte.
Mobbing kostet nicht nur Nerven, sondern auch viel Geld
Zudem wird er weiterhin mit Anzeigen konfrontiert, gegen die er sich juristisch zur Wehr setzen muss. Das kostet nicht nur Kraft, sondern sehr viel Geld. Als Herr D auch noch seinen Job verliert, kann er die Anwaltsrechnungen nicht mehr begleichen. Zwar hat dieser viel Verständnis für die Situation seines Mandanten, aber als Anwalt mit einer kleinen Kanzlei in Kleinestadt kann er sich ein derartiges Verlustgeschäft nicht leisten. Obwohl er gerne würde. Also bietet er Herrn D an, ihn bei der Suche nach einem Anwalt zu unterstützen, der finanziell mehr Spielraum hat als er selbst. Doch diese Suche gestaltet sich schwieriger als gedacht. Auch Kollegen, die sich gern medial als die großen Kämpfer für Recht und Freiheit generieren, von denen er weiß, dass sie problemlos, ohne auf ein einziges Glas Champagner verzichten zu müssen, seinen Mandanten pro bono vertreten könnten, lehnen dankend ab. Bereits zu sehr eingespannt, leider …
Herr D vereinbart schließlich eine Ratenzahlung mit seinem Anwalt und begibt sich auf Jobsuche. Kleinestadt und Nachbarstadt fallen schon mal weg, aus Gründen. Auch in Großestadt, ja, im gesamten Bundesland gibt es angeblich keine Verwendung für einen versierten lizensierten Dolmetscher, der neben Arabisch noch Farsi und Paschtu anbietet. Schließlich bekommt er einen Job in einer großen JVA in Großstadt-Nordost, Hunderte Kilometer von Kleinestadt entfernt. Doch leider ist dieser Job nur von kurzer Dauer, Herr JVA lässt es sich nicht nehmen, seinen Kollegen in Großstadt-Nordost anzurufen und ihn über die angeblichen Verfehlungen von Herrn D in Kenntnis zu setzen. Die dieser allesamt widerlegen konnte und für die er nie belangt wurde. Außer mit der – seiner Ansicht nach unbegründeten – Strafversetzung und der anschließenden ebenfalls grundlosen Kündigung. Auch dagegen würde Herr D sich gern juristisch zur Wehr setzen, doch auch das würde Geld kosten, das er nicht mehr hat.
Schließlich wendet Herr D sich an die Presse, in der Absicht, dieses ganz Netzwerk, dessen Opfer er mutmaßlich aufgrund seiner kritischen Haltung wurde, publik zu machen. Doch niemand glaubt ihm. Statt in Talkshows zu sitzen, muss er sich auch weiterhin vor Gericht wegen der kuriosesten Unterstellungen verantworten.
Fragen über Fragen:
In einem TV-Krimi würden nach nervenaufreibenden, inhaltlich sehr dichten 90 Minuten schließlich Handschellen klicken.
Und jetzt kommt Ihr ins Spiel: Was glaubt Ihr bei wem? Bei Herrn D.? Oder bei K1?
Was denkt Ihr, hätte ein solches Drehbuch Aussicht auf Erfolg, oder erscheint Euch die Story zu abgedreht? Oder glaubt Ihr gar, dem Drehbuch liegt ein wahrer Fall zu Grunde?
Fragen über Fragen, auf Eure Antworten bin ich gespannt.