Julian Assange ist nicht über Wikileaks gestolpert, sondern über seinen Schwanz
Text: BG
Ein paar Überlegungen zur aktuellen Entwicklung im Falle Julian Assange
Ich sage nicht, Julian Assange hat
sexuelle Gewalt ausgeübt gegen die beiden Frauen. Ich möchte nur, dass die
Möglichkeit, die Vorwürfe der beiden Frauen seien berechtigt, in Betracht
gezogen wird – als eine von mindestens
zwei möglichen Optionen.
Die andere Option wäre, dass der
Vorwurf, Lügen zu verbreiten, gegen die beiden Frauen zutrifft. Dann müssen die
beiden Frauen juristisch belangt werden und Julian Assange würde eine
Entschädigung zustehen. Außerdem die unbehelligte Ausreise in ein Land seiner
Wahl.
Julian Assange hat die Vorwürfe gegen
ihn immer bestritten. Also sollte er doch der Erste sein, dem daran gelegen
ist, diese ein für allemal aus der Welt zu schaffen. Doch statt daran
mitzuwirken, strikte er Verschwörungstheorien, unterhielt einen internationalen
Stab von AnwältInnen, um sich einer Vernehmung durch die schwedischen Behörden
zu entziehen und hielt Ecuador und Großbritannien fast 10 Jahre mit seiner Verweigerungshaltung
in Atem. Da stellt sich die Frage: Warum
eigentlich?
Die aktuell einzig richtige Maßnahme
wäre, dass Großbritannien ihn an Schweden ausliefert, damit das Verfahren dort
wieder aktiviert werden kann. Eine Auslieferung an die USA ist abzulehnen.
Allerdings ist auch sehr fraglich, ob die Trump-Regierung ein Interesse
daran hat.
Ich bin ganz entschieden gegen
eine einseitige Parteinahme für Julian Assange und die durch Verschwörungstheorien
und Frauenhass genährte Vorverurteilung von Anna A. und Sofia W.
Denn es steht Aussage gegen Aussage –
im Grunde genommen die Aussagen zweier Frauen gegen die eines Mannes. Der bei
Licht betrachtet nicht viel zu den Vorkommnissen gesagt hat, außer, er sei
verwundert, dass die beiden Frauen den Sex mit ihm als Gewalt empfunden hätten.
Zur Klärung des Sachverhaltes hat er bislang nichts beigetragen.
Julian Assange hätte sich – und allen
anderen – den ganzen Stress ersparen können, wenn er sich den beiden Frauen
gegenüber anders verhalten hätte. Spätestens aber, sollten die Vorwürfe
tatsächlich nicht der Wahrheit entsprechen, indem er den geforderten AIDS-Test
machte. Stattdessen begab er sich wie ein spätpubertierender Jugendlicher in
eine Verweigerungshaltung. Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Vielleicht
um seinen Marktwert zu testen? Das ist allerdings gründlich schief gegangen.
Zwar solidarisierten sich zunächst weltweit Massen von Menschen mit ihm – allen
voran die Linken – aber der Hype ließ nach und selbst Indymedia Australia konnte schließlich bei Solidaritätskundgebungen
gerade noch eine Hand voll Unterstützer aufbieten.
Mit seiner Verhaftung vor wenigen
Tagen hat der Hype wieder Aufwind bekommen, vor allem die Linke gebärdet sich,
als ob seine Hinrichtung unmittelbar bevorstünde. Dabei ist nicht einmal
gesagt, dass Trump ihn überhaupt in den USA haben will.
Die
beiden Frauen
Den Stein ins Rollen brachten zwei Frauen: Anna A. und Sofia W.
Anna A. war zu dem Zeitpunkt der
Ereignisse Pressesprecherin des „Brotherhood Movement“, einer christlichen Gruppierung
innerhalb der Sozialdemokratischen Partei Schwedens. Sie koordinierte Julian
Assanges Reise und fungierte während seines Aufenthalts in Schweden auch als
dessen Pressesprecherin. So tauchte ihr Name beispielsweise unter der
Presseerklärung zum Wikileaks-Abkommen mit der Piratenpartei auf. Am 17. August
2010 wurde zwischen beiden Organisationen vereinbart, dass die Wikileaks-Server
in Schweden untergebracht werden sollen. Die Pressemitteilungen wurde im
Original auch von Anna A. unterzeichnet, deren Name unterdessen jedoch wieder
gelöscht – laut einer Erklärung der schwedischen Piratenpartei, weil sie keinen
Kontakt zu Julian Assange habe, und es müde sei, dass Medien aus aller Welt
seinetwegen bei ihr anriefen. Außerdem arbeitete sie an der Universität von Uppsala,
und ließ sich laut Medienberichten nach den Vorfällen beurlauben.
Sofia W. lernte Julian Assange in einem Seminar im Rahmen des von Anna
A. organisierten Schweden-Aufenthalts kennen und hatte offensichtlich großes
Interesse an näherer Bekanntschaft mit ihm.
Beide Frauen wurden in der Folge der Verhaftung von Julian Assange von fanatischen
Fans des Wikileaks-Chefs dermaßen bedroht, dass sie sich ihres Lebens nicht
mehr sicher waren und untertauchten mussten. Bedroht wurden sie vorwiegend von
empörten Linken aus aller Welt!
Es geht um sexuelle Gewalt, nicht
um Wikileaks
Zwar kenne ich die Wahrheit
nicht, aber ich kann meinen gesunden Menschenverstand einschalten, und der sagt
mir, dass im Zusammenhang mit dem Hype um Julian Assange doch einiges schief lief
und aktuell wieder läuft. Der schwedischen Justiz ging – und geht – es nicht
darum, Wikileaks zu verbieten, sondern den Vorwürfen der sexuellen Gewalt
nachzugehen. Sie praktizierte schlicht und ergreifend Opferschutz und verübte
keinen Anschlag auf die Pressefreiheit, wie es oft und gern vor allem in linken
Kreisen dargestellt wurde – und wird. Julian ist über seinen Schwanz
gestolpert, nicht über seine Veröffentlichungen.
Im Namen der Unschuldsvermutung wurde
der Beschuldigte in hastig inszenierten „FREE ASSANGE“-Kampagnen zum
Unschuldslamm und Märtyrer stilisiert, während die beiden betroffenen Frauen,
Anna A. und Sofia W., in unerträglicher Weise stigmatisiert, denunziert,
diskreditiert und kriminalisiert wurden – und aktuell wieder werden.
Heerscharen von Journalisten, Bloggern
und Internetnutzern nutzen den Vorfall, um ihrer Frauenverachtung völlig
ungezügelt freien Lauf zu lassen. „Ich vergewaltige meine Frau auch immer“, ist
dabei noch einer der harmloseren Kommentare in Leserforen, z. B. beim
Internetmagazin telepolis.
Medien in aller Welt, darunter solche,
deren Interesse an Aufdeckung der „Wahrheit“ sich bis dato hauptsächlich auf
die Enthüllung der neuesten heimlichen Liebesgeschichten von Pop- oder echten
Prinzesschen erstreckte, haben den investigativen Journalismus für sich
entdeckt. Und mit ihm Julian Assange als Schutzpatronen aller geheimen
Informanten. Den zu verteidigen, auch mit den übelsten sexistischen Ressentiments,
haben sich auch die Medien, die sich für fortschrittlich halten, zur Aufgabe
gestellt.
Als „Honeytrap“, Honigfalle, wurde das
Thema in den Medien abgehandelt: Ein abgekartetes Spiel der beiden intriganten
Schwedinnen gegen Julian Assange – im Auftrag des CIA.
Natürlich sollte diese Möglichkeit mit
bedacht werden. Im Rahmen der Unschuldsvermutung muss sie sogar mit bedacht
werden. Aber als eine von mindestens zwei Optionen. Die Unschuldsvermutung muss
selbstverständlich für beide Seiten gelten.
Leider stimm(t)en auch sehr viele
Frauen in das Lied der bedingungslosen Solidarität mit ein. So verglich die
US-Schriftstellerin Naomi Klein die Vergewaltigungsvorwürfe mit dem Vorwand,
den Afghanistan-Krieg zur Befreiung der Frauen zu führen:
„ Rape is being used in the Assange
prosecution in the same way that women's freedom was used to invade
Afghanistan.“
„Vergewaltigung ist in der
Strafverfolgung von Assange in derselben Weise benutzt worden, wie die Freiheit
der Frauen als Vorwand benutzt wurde, Afghanistan zu überfallen.“
Die Wahrheit kennen wir alle nicht,
diese ans Licht zu bringen, sollte Aufgabe der schwedischen Justiz sein. Julian
Assange streitet die Vorwürfe gegen ihn ab. Also sollte es in seinem
ureigensten Interesse sein, dass die Wahrheit ans Tageslicht kommt.
Hexenjagd auf Anna A. und Sofia W.
Anfangs wurde in den Medien
verbreitet, Julian Assange sei wegen Vergewaltigung verhaftet, weil ihm beim
Sex das Kondom gerissen sei. Weltweit war Mann sich einig: das kann nur ein
groß angelegtes internationales Komplott des CIA sein. Die beiden Frauen wurden
als Lügnerinnen abgestempelt, in wohlmeinenderen Artikeln als vom CIA instrumentalisiert.
Mit den Beiden im Bunde war die Polizeibeamtin, der sie ihr Anliegen vortrugen
sowie die Staatsanwältin, die den EU-Haftbefehl erwirkte.
In den Medien wurden das Quartett
gründlich seziert: Die eine, Anna A., eine in Schweden landesweit bekannte
radikale Feministin, in den Medien das Synonym für Hexe, die noch dazu auf dem
Gebiet „sexuelle Gewalt gegen Frauen“ arbeitet. Die andere, Sofia W., eine
„hübsche, an Prominenz interessierte junge Frau“ (telepolis), die ihre
Jugend und Schönheit dazu nutzte, Julian Assange in ihr Bett zu zerren, um zu
Ruhm und Ansehen zu gelangen. Eine mediengeile Schlampe, die ihn dann eben
denunzierte, weil das mit dem sich Publicity erschlafen nicht geklappt hatte.
Warum wird eigentlich nirgendwo
problematisiert, dass Julian Assange offensichtlich seine Publizität dazu
nutzt, um genau solche „hübsche, an Prominenz interessierten jungen Frauen“ ins
Bett zu kriegen?
Die beiden Frauen sind „angebliche“
Vergewaltigungsopfer, darüber sind sich die Medien – vor allem die linken –
einig. Dazu kommt eine kleine Dorfpolizistin, die die Chance ihres Lebens auf
Beförderung wittert, als Anna A. und Sophia W. bei ihr erscheinen, und sie
realisiert, von wem in deren Erzählungen eigentlich die Rede ist, nämlich
Julian Assange, dem weltbekannten Verfechter der freien Meinungsäußerung.
Dessen Name ihr natürlich ein Begriff ist (Schweden - Sommer 2010!), und den
hinter Schloss und Riegel zu bringen sie dem CIA gerne zu Diensten ist. Zu
ihrem eigenen Vorteil, versteht sich.
Die Verschwörung der Hexe, der
Schlampe und der karrieregeilen Dorfpolizistin wird komplettiert durch die
„geltungssüchtige Staatsanwältin“ (telepolis) Marianne Ny. Die wegen eines geplatzten
Präsers einen EU-Haftbefehl erwirkt. Ja, nee, schon klar.
Laut der britischen Tageszeitung Guardian,
die eigenen Angaben zufolge Einblick in die Polizeiakte bekam, organisierte
Anna A. seine Schweden-Reise, die mit verschiedenen Veranstaltungen verbunden
war. Da sie davon ausgegangen sei, dass sie die meiste Zeit sowieso abwesend sein
würde, habe sie ihm ihre Wohnung zur Verfügung gestellt. Am Freitag, den 13.
August 2010, war sie demnach gemeinsam mit ihm essen, anschließend fuhren beide
zu ihr. Dort habe er versuchte, sie zu entkleiden. Das sei ihr jedoch zu schnell
gegangen und sie habe sich unwohl gefühlt. Trotzdem habe sie den Sex zugelassen
und später realisiert, dass sie ungeschützten Geschlechtsverkehr hatten.
Zunächst hätte sie eine Auseinandersetzung mit ihm gehabt, weil er sich geweigert
habe, ein Kondom zu benutzen. Er habe dabei seine Körperkraft gegen sie, sprich
Gewalt, eingesetzt. Schließlich habe er zugestimmt, am Ende sei das Kondom jedoch
nicht mehr intakt gewesen und er habe ungeschützt ejakuliert. Anna A. vermutet,
dass er es manipuliert habe, weil er sich zunächst so vehement gegen den
Gebrauch des Kondoms gewehrt habe.
Am anderen Tag kam Sofia W. ins Spiel:
Bei einer Veranstaltung am Nachmittag hätten Julian Assange und Sofia W. sich
kennengelernt und seien anschließend gemeinsam ins Kino gegangen. Danach weiter
zu Anna A., die an jenem Abend eine Party gegeben habe. Auf dieser Party habe die
Gastgeberin Freundinnen von dem Sex mit Julian Assange erzählt und dass er
dabei Gewalt angewendet habe. Trotzdem habe sie ihn weiter in ihrer Wohnung
wohnen lassen. Eigenen Angaben zufolge bat sie ihn jedoch auszuziehen. Julian Assange
bestritt jedoch, dass sie dieses Ansinnen an ihn heran getragen habe. Anna A.
habe sich schließlich ein anderes Quartier gesucht.
Am 14. August 2010 traf er sich laut Guardian erneut mit Sofia W., die beiden
besichtigten demzufolge zunächst ihren Arbeitsplatz, dann fuhren sie in ihre Wohnung
außerhalb Stockholms. Dort sei es ebenfalls zu Meinungsverschiedenheiten
gekommen wegen ihrer Forderung, dass er ein Kondom benutzen solle. Daran
scheiterte der erste Versuch, später habe er jedoch eingewilligt und sie hätten
einvernehmlichen Sex gehabt. Am anderen Morgen habe Sofia W. die Wohnung
verlassen, um Besorgungen für das Frühstück zu machen. Anschließend habe sie
sich wieder ins Bett gelegt, in dem er noch schlief. Sie sei ebenfalls wieder
eingeschlafen und erwacht, weil er auf ihr lag und in sie eingedrungen war. Und
zwar ohne Kondom. Ihr Ex-Freund habe der Polizei gegenüber ausgesagt, so der Guardian, e sei etwa zweieinhalb Jahre
mit ihr zusammen gewesen, sie hätte nie ungeschützten Geschlechtsverkehr
gehabt, das sei für sie „undenkbar“ gewesen.
Die Geschichte endete damit, dass die
beiden Frauen ihn aufforderten, einen AIDS-Test zu machen. Als er dies
verweigerte, gingen sie zur Polizei, um den Test erzwingen zu lassen.
Laut Guardian hatte er zwar schlussendlich dem Test zugestimmt,
allerdings an einem Freitagnachmittag, und vor Montag wäre ein solcher Text
nicht möglich gewesen. Da waren die beiden Frauen aber schon bei der Polizei
gewesen. Durch den Gang zur Polizei war es dann ein Offizialdelikt und die Staatsanwaltschaft
wurde tätig.
Die Vorfälle ereigneten sich zu einem
Zeitpunkt, zu dem ein Team von Journalisten des Guardian, der New York Times und
des SPIEGEL das Irak-Material entschlüsselte
und auswertete, das Wikileaks von dem US-Soldaten Bradley (später Chelsey) Manning
zugespielt worden war. In einer TV-Doku erzählen die Journalisten, dass sie in
Kontakt standen mit dem Vorsitzenden der schwedischen Piratenpartei, der
zwischen den beiden Frauen und Julian Assange zu vermitteln versucht habe. Sie
hätten dazu geraten, den geforderten Test zu machen.
Kurz zuvor, am 25.7.2010 war das „Afghan
War Diary“ veröffentlicht worden, in dem Kriegsverbrechen der US-Army in
Afghanistan dokumentiert wurden. „Iraq War Logs“, das Ergebnis der Arbeit des
Journalisten-Teams, wurde am 22.10.2010 veröffentlicht. Darin werden
Kriegsverbrechen der US-Army im Irak dokumentiert. Es kam zu Streitereien
zwischen den Journalisten und Julian Assange, da er sich über deren Wunsch
hinweggesetzt hatte, alle Namen in dem Material vor der Veröffentlichung
unkenntlich zu machen, um nicht Menschenleben zu gefährden.
Diese nicht auszuschließende
Gefährdung von konkreten Personen im Irak, die mit der US-Regierung
zusammengearbeitet hatten, war seiner Aussage nach auch der Grund, warum der
Ex-Hacker Adrian
Lamo, „Journalist und Priester“, dem gegenüber Manning sich offenbart und
auch seine Identität gelüftet hatte, diesen entgegen seines Versprechens bei
den Behörden anzeigte. Das führte zur Verhaftung und Verurteilung Mannings.
Adrian Lamo gilt als Verräter, die Verantwortung trägt im Grund jedoch Julian
Assange.
Interessant ist, dass das
Irak-Material zuerst vom Sender der Muslimbruderschaft „Al Jazeera“ in Katar
veröffentlicht wurde.
Schweden – feministische Diktatur?
Julian Assange sah sich in einer
Art feministischer Diktatur gestrandet, einem „Wespennest des revolutionären
Feminismus“, wie er in einem Interview mit „The Australian“ sagte. Schweden sei
„das Saudi-Arabien
des Feminismus“.
Warum können eigentlich allen linken
Medien den Terminus „revolutionärer Feminismus“ unwidersprochen als Schimpfwort
benutzen?
Genau diesen „revolutionären
Feministinnen“ und deren Kampf gegen sexuelle Gewalt ist zu verdanken, dass
Sexualdelikte von Staats wegen verfolgt werden. Eine von ihnen ist Anne A. Im
Mittelpunkt steht dabei die Befindlichkeit des Opfers, in den meisten Fällen
also das der Frau. Weshalb nicht nur Anne A. , Sofia W., die namentlich nicht
bekannte Polizistin und Staatsanwältin Marianne Ny sich den Hass der Machos in
Pressestuben und Bloggergemeinden zuzogen, sondern gleich die gesamte
schwedische Justiz.
Später wird dann noch bekannt, dass
die „Hexe“ über Kontakte zu kubanischen Dissidentengruppen verfügt, die laut
Berichten in linken Medien vom CIA finanziert werden. Das „angebliche
Vergewaltigungsopfer“ wird in verschiedenen Medien als CIA-Agentin geoutet.
Weil die reale Geschichte nicht ganz viel hergibt – aus Verbindungen zu
Anti-Cuba-Gruppen wird eine Zusammenarbeit mit deren Gründern Luis Posoda
Carriles, der ein kubanisches Verkehrsflugzeug mit 73 Menschen an Bord in die
Luft sprengte, und Carlos Alberta Montaner, der am Umsturz in Honduras
verwickelt war, konstruiert – werden die diesbezüglichen Artikel hier und da
noch mit ein paar Agentenstorys gewürzt, in denen Linke Linke zu Fall brachten.
Anna A. Hat auf Cuba auch
VertreterInnen von Oppositionsgruppen getroffen. Das ist professioneller
Journalismus, jedenfalls wenn er seriös sein soll. Die Schlussfolgerungen, die
aus solchen Begegnungen von den Publizierenden getroffen werden, sind in der
jeweiligen politischen Einstellung begründet.
Bei Licht betrachtet reduzieren sich
Anna A.´s anti-kubanischen Umtriebe mehr oder weniger auf freundlich-kritische
Berichte in einer schwedischen Zeitung.
Nur mal so nebenbei: Die Wikileaks-Redaktion
bestand aus Redakteuren der New York Times, des Guardian und des Spiegel, die ja allesamt für ihre revolutionären
Umtriebe bekannt sind ...
Julian Assange offenbarte
verschiedentlich ein – vorsichtig formuliert – fragwürdiges Verhältnis zu
Frauen. Im Juli 2016, kurz nach dem Putsch in der Türkei, veröffentlichte Wikileaks
fast 300.000 Mails von dem Email-Account der türkischen Regierungspartei AKP.
Allerdings waren die meisten der Mails AN die AKP gerichtet, häufig von
Privatpersonen, die ihre Mailadressen dann weltweit veröffentlicht
wiederfanden. Diese Mailsammlung war Bestandteil einer wesentlich größeren
Veröffentlichung im Zusammenhang mit der Türkei. Das gesamte Leak enthielt laut Heise
20 Millionen Namen insgesamt, darunter „Namen von Wählerinnen in
insgesamt 79 der 81 türkischen Provinzen. Allein für Istanbul gibt es mehr als
fünf Millionen Einträge. Gesammelt sind die vollständigen Namen der Frauen, die
Namen ihrer Väter, ihre Geburtsorte und -tage sowie ihre Adressen, teilweise
auch ihre nationalen Identifikationsnummern.“ Diese Datensammlung erhielt durch
die auszugsweise Veröffentlichung durch Wikileaks weltweite Aufmerksamkeit. Die
Journalistin Zeynep Tufekci kritisierte Wikileaks in der Huffington Post hart dafür. Die Daten der Frauen wurden zwar nicht
durch ein Wikileak, aber mit tatkräftigem Zutun der Enthüllungsplattform, weltweit
allen Interessierten auf dem Silbertablett serviert. Zum einen reichten die
Informationen aus, um im Namen der Frauen Betrügereien zu begehen, aber sie brachten
auch Frauen, die z. B. vor ihren Familien geflohen waren, in Gefahr, von diesen
entdeckt zu werden. Dass Frauen vor ihren Familie fliehen, ist in der Türkei –
leider – gar nicht so selten.
Auch die #metoo-Debatte ließ er
nicht unkommentiert. Er verglich laut Newsweek
die im Rahmen der Kampagne beschuldigten Männer mit „schwarzen Männern, die
gelyncht wurden, nachdem sie fälschlicherweise der Vergewaltigung weißer Frauen
bezichtigt“ worden sein.
(Mediale) Hexenjagd gegen die
beiden Frauen
Anna A. hat Medienberichten zufolge
damals Schweden verlassen, weil sie sich dort ihres Lebens nicht mehr sicher
fühlte, und ist in Palästina untergetaucht. Ihre gesicherte Existenz in
Schweden aufzugeben, und stattdessen bei einer kruden christlichen Sekte in dem
zerstörten Land unterzukommen, war wahrscheinlich schon immer ihr sehnlichster
Wunsch, den sie sich ohne den CIA nie hätte erfüllen können …
In den Medien wurde alle
Informationen gegen Anna A. und Sofia W. ausgelegt. Weil sie sich unlogisch
verhalten, nach den Vorfällen noch mit ihm Partys gefeiert, bzw. für ihn
organisiert hätten. Auf der ganzen Welt verhalten sich Gewaltopfer nach einem
bestimmten, berechenbaren Muster mit klar umrissenen Abläufen?!?!?! Nur die
beiden Schwedinnen nicht???
Zwei Emanzen mit Männerproblem auf
Rachefeldzug, so ist die gängige Darstellung in den Medien - vor allem in den
linken.
Opfer
sexueller Gewalt haben keine Credibility. Linke auf der ganzen Welt waren
eher bereit, die von Julian Assange verbreitete Räuberpistole zu schlucken, als
den Gedanken an sich heranzulassen, ihr Idol könne ein Vergewaltiger sein.
Warum stellt eigentlich niemand die
Frage, ob der neue Superheld der Linken ein Problem mit Frauen hat? Ein
massives Problem?
Wenn (ich sage ausdrücklich
wenn. Das zu klären ist Aufgabe der schwedischen Justiz) die Geschichte von
Anna A. und Sofia W. stimmt, dann setzt Julian Assange Gewalt ein, um seine
sexuellen Gelüste zu befriedigen. Und dann gehört er in den Knast. Und zwar in
Schweden.
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