Einordnung der Vorkommnisse beim sonntäglichen Palaver - Gewalt gegen Frauen
Ein Versuch
von Juliane Beer
Ein weibliches Alien, kürzlich vom Mars zur Erde gereist und am letzten Märzsonntag im TV bei der Talkshow Miosga hängen geblieben, in der Hoffnung die Kohlenstoffeinheiten kennenzulernen, hätte an eben diesem Sonntag ab 22:45 Uhr gemeint, gelernt zu haben, dass Gewalt gegen Frauen ein Problem sei, das seit ein paar wenigen Jahren auf Planet Erde existiert. Eine Schauspielerin, die Gewalt erleben musste, sorge also dafür, dass diese Unsitte schnell abgeschafft würde, damit es für Frauen wieder friedlich weiterginge. Die ebenfalls eingeladene Justizministerin sei mit diesem Problem der letzten paar Jahre vertraut, habe sich Gedanken gemacht, ja, man habe sich etwas zu viel Zeit gelassen, selbst ein paar wenige Jahre seien in Sachen Gewalt zu viel verstrichene Zeit, aber nun gut, versprach die Ministerin doch, dass es jetzt passiere in Sachen Gesetze.
Aha, eine lösungsorientierte Gesellschaft, würde unser Alien denken, hier lässt es sich leben.
Für Frauen, die von jeher ihr Leben auf Planet Erde verbringen und auch nur gelegentlich mit TV, Radio, Internet oder Presse in Berührung kommen, war besagte Show bestenfalls eine Verhöhnung. Sie wissen, dass das Internet und alles, was man darin anstellen kann, kein Neuland ist, dass über den Einsatz sogenannter K.O. Tropfen zum Zweck der Betäubung zum Zweck der Vergewaltigung seit gut 30 Jahren diskutiert wird, Vergewaltigung in der Ehe einst nicht strafbar war, unser heutiger Bundeskanzler Friedrich Merz sich 1997 dafür aussprach, dass dies auch so bliebe, was immerhin nicht geschah. Sie weiß, dass häusliche Gewalt in allen Gesellschaftsschichten eines der ältesten Probleme der Menschheit ist, davon zeugen in jüngster Zeit z.B. die sogenannten Frauenhäuser, die seit ihrem Bestehen groteskerweise um Geld kämpfen müssen, um immer mehr betroffene Frauen unterbringen zu können.
Passiert ist nichts.
Mit dem Internet ist die digitale Gewalt besonders gegen Mädchen eingezogen, bereits vor vielen Jahren wurde über das Problem Suizid bei jungen Frauen berichtet, die im Netz durch das Verbreiten von Lügen, oft mit sexuellem Inhalt, bis zum Freitod gequält und gemobbt wurden.
Seit 2015 ist die Gewalt arabischstämmiger Männer hinzugekommen, in deren Herkunftsländern Frauen sich zu bedecken und am besten ganz von der Straße zu verschwinden haben und wenn sie Vergewaltigungen anzeigen, im Knast landen oder abermals misshandelt werden. In Deutschland ist man schnell dazu übergegangen, diesen Männern ihre kulturelle Prägung nicht übelnehmen zu wollen, sprich, sie bei Gerichtsverhandlungen freizusprechen, damit sie sich „besser integrieren können“ oder sie erst gar nicht vor Gericht zu bringen, wie jüngst der Fall in einer Neuköllner Jugendeinrichtung anschaulich zeigte.
Frauen aller Gesellschaftsschichten haben sich an all dies gewöhnt bzw. eigene Mechanismen entwickelt, damit umzugehen. Diese reichen von selbstverordnetem Stubenarrest, über die Wahl einer Partei, die zumindest mit eingewanderter Gewalt aufzuräumen verspricht über Leugnen und Verdrängen bestimmter Gefahren und Gefährder bis hin zu Verzicht auf Beziehungen und Männer überhaupt als Trend bei jungen Frauen. Im großen und ganzen geschieht all das leise und ist zur Gewohnheit geworden wie schlafen, essen, arbeiten.
Im März nun tritt eine Schauspielerin an die Öffentlichkeit, bezichtigt ihren Ex-Mann der „digitalen Vergewaltigung“, bezichtigt ihn u.a. weiterhin, sie seit Jahren zu demütigen. Und plötzlich gehen alle auf die Barrikaden, die einen sind empört, als wäre dies der erste Fall von Gewalt gegen Frauen im Paradies, die anderen höhnen, warum sich ausgerechnet eine attraktive, finanziell unabhängige Frau so etwas so lange bieten ließe, ihre Story sei unglaubwürdig. Zum letzten Punkt möchte ich anmerken, (da ich zu denen gehöre, die, wenn auch ohne Hohn, diesen Umstand ebenfalls nie verstanden haben) von einem befreundeten Psychiater, den ich fragte, warum Frauen bei ihren Peinigern bleiben bzw. zu denen zurückkehren, die Antwort erhielt, das könne ich, aufgewachsen mit einem gewaltfreien Vater, nie verstehen. „Versuch es erst gar nicht!“, lautete der Rat, „erspart Missverständnisse zwischen Betroffenen und dir“. Ich habe seither versucht, den Rat zu befolgen, halte mich z.B. aus diesbezüglichen Diskussionen so gut wie möglich heraus. Evtl. eine Anregung für andere Ratlose oder für solche, die meinen, ausgerechnet bei Gewaltopfern auch noch mal zulangen zu müssen.
Zurück in die Gegenwart. Wie schon erwähnt - ebenfalls in besagter Show versichert uns die zuständige Ministerin, man wolle j e t z t Gesetze auf den Weg bringen, die Frauen vor Gewalt schützen.
Manch eine Frau war vermutlich mit dem Finger auf der Fernbedienung jede Minute bereit, dieser Shitshow alias Frauenverspottung ein Ende zu setzen, ganz besonders, als die Anwesenden zum Ende der Stunde begannen, pflichtbewusst, weil es nun mal sein muss, über analoge Gewalt zu sprechen, nachdem man sich einig war, Gewalt im Netz j e t z t zu bekämpfen, u.a. indem der Internetanbieter verpflichtet würde, sämtliche Daten eines Zeitabschnitts, der noch zu definieren sei, zu speichern.
Diejenigen, die heute triumphieren, es sei wohl nichts gewesen mit der von Frauenhassern orchestrierten Hysterie um Klarnamenpflicht, haben sich allem Anschein nach noch nicht damit befasst, was Datenspeicherung bedeutet. Sie bedeutet kurz erklärt, dass alle Aktivitäten im Netz einer vermeintlich verdächtigen Person in eben diesem Zeitraum eingesehen werden können, womit es ein leichtes ist, auf den Klarnamen, Adresse, Kontakte und zwar namentlich, Vorlieben, Krankheiten usw. usf. zu schließen. Und das nicht zu Werbezwecken.
Die Ministerin betonte, so weit wolle man nicht gehen. Da stellen wir uns vor, wie der Beamte sorgsam zuerst alle Daten löscht, die er keinesfalls einsehen darf. Außerordentlich glaubwürdig, zumal in einem Land, in dem Menschen bereits jetzt bei Morgengrauen Polizeibesuch plus Hausdurchsuchung droht, wenn sie einen Politiker verulkten.
Und wer jetzt schreit, man habe nichts zu verbergen – ja, genau um euch geht es. Die, die etwas zu verbergen haben, wissen sich zu verstecken in den Weiten des Internets.
Zurück zum Frauenschutz oder besser: Zurück zum Funktionalisieren von Frauen und dem Ausbeuten des Bedürfnisses, Ruhe vor Perversen und ihrer Gewalt zu haben, schamlos ausgenutzt für politische Zwecke in Zeiten, da die Politik den Untertan nicht mehr zu kontrollieren weiß.
Jeder, die tatsächlich kürzlich vom Mars zur Erde reiste, sei geraten, zurückzukehren. Hier ist für den Schutz von Frauen nichts zu holen, Frauen sind allenfalls gut genug, wenn nötig wie Spielfiguren übers Feld geschoben zu werden, um sie danach wieder abzuräumen.
Falls Ministerin Hubig tatsächlich doch die Sicherheit von Frauen im Sinn hat und Gesetze auf den Weg bringt, die nicht das Ende der Anonymität im Netz ( ja, auch für Gewaltopfer) bedeuten – wir würden es euch sofort rüberfunken.