Halāl ist das Bekenntnis zu einem Lebensstil wie in Saudi-Arabien
Halāl-zertifizierte Speisen sind die Einstiegsdroge, mit der uns die Scharia im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft gemacht werden soll.
Text und Fotos: Birgit Gärtner
Der Vorstand des Gießener Tennisclubs „Rot-Weiß e.V.“ war froh: Lange stand das Vereinsheim leer, die Suche nach einem neuen Pächter erwies sich als äußerst schwierig, doch zum Jahresbeginn übernahmen Isabell und Bayram D. das Lokal, renovierten und zogen in die Wohnung über der Gaststätte; Ende Mai sollte der Betrieb losgehen. Doch dann die böse Überraschung: Das Paar will keinen Alkohol ausschenken. Um einen „familienfreundlichen Ort zu schaffen“, wie Bild Isabell D. zitiert. Mit ihrem muslimischen Glauben habe das … na? … genau! … nichts zu tun. Doch ein Tennismatch wird häufig nicht nur mit einem guten Essen beendet, oder nicht nur, sondern – auch – mit einem guten Tropfen oder einem kühlen Bier. Deswegen entbrannte ein Streit mit dem Vereinsvorstand, der mit der fristlosen Kündigung endete. Beide Seiten werfen der jeweils anderen Vertragsbruch vor.
Möglicherweise handelt es sich bloß um ein Missverständnis, allerdings ein weit verbreitetes: Der Vorstand ging vermutlich davon aus, dass das Vereinslokal in guter, alter Sitte mit Speis und Trank, auch alkoholischem, geführt werde, und Isabell und Bayram D. – ebenfalls selbstverständlich – dass die Gäste sich den muslimischen Sitten anpassen und auf den Verzehr von Alkohol verzichten würden. Und vermutlich auch auf den Verzehr von Schweinefleisch. Halāl ist das Zauberwort dafür.
Derlei Missverständnisse sind längst Alltag „im besten Deutschland, das es jemals gegeben hat“ (Zitat Frank-Walter Steinmeier). Nicht selten endet es im tolerantesten Deutschland, das es je gegeben hat, damit, dass die Muslime sich durchsetzen. Wir dürfen also gespannt sein auf das Ende dieses kulinarischen Lokaldramas.
Sunniten und Schiiten teilen den Markt unter sich auf
Der Vorfall sorgte für Schlagzeilen, Medien, Politik und Öffentlichkeit waren erstaunt; und ich war erstaunt, dass sie erstaunt waren. Halāl ist mittlerweile weit verbreitet, längst sind es nicht mehr nur türkische oder arabische Restaurants und Imbisse, die dieses Siegel tragen, sondern Pizzerien, Asia-Imbisse, vegane Burgerläden, selbst Food-Trucks werben damit.
Am 17. Oktober 2011 fand in Bremen eine Fachtagung unter dem Motto „Auf dem Weg zu einem einheitlichen Halal-Standard“ statt. Die ehemalige grüne Abgeordnete der Bremischen Bürgerschaft, Zahra Mohammadzadeh, hielt ein Grußwort. Ansonsten referierten dort neben Yavuz Özoğuz als Mann der Praxis, schließlich braucht er Nachfrage nach seinem Dienst, auch sunnitische Geistliche als auch des Schiitentums. Auf der Webseite der SCHURA Hamburg ist zu lesen:
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Erschienen waren Vertreter der islamischen Landesverbände und einiger bundesweiter Verbände wie Islamrat, IGMG und IGD, Unternehmensvertreter sowie sonstige Interessierte.
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Anschließend wurde die Thematik zunächst aus theologischer Sicht diskutiert: Khaled Hanafy vom Rat der Imame und Gelehrten referierte die Grundlagen der Halāl-Schlachtung aus Sicht der vier sunnitischen Rechtsschulen und Ayatollah Reza Ramezani vom Islamischen Zentrum Hamburg aus Sicht der Schia. Beide Theologen kamen zu weitgehend identischen Aussagen zu allen relevanten Punkten …
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Veranstaltet wurde die Konferenz demnach von „islamischen Landesverbänden (SCHURA Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein“, der „Islamischen Glaubensgemeinschaft Baden-Württemberg“, der „Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen“, der „Islamischen Föderation Berlin“ und dem „Koordinationsrat der Muslime Mecklenburg-Vorpommern“.
Neben der Debatte um die theologischen Grundlagen wurde bemängelt, dass es zu viele und vor allen unseriöse Zertifizierer gab. Deshalb wurde angeregt, künftig auf das 1925 als „Reichsausschuss für Lieferbedingungen“ (RAL) gegründete „Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung“ zu setzen und die Zertifizierung somit sozusagen doppelt abzusichern: Zertifiziert werden nicht nur die Lebensmittel, sondern auch die Zertifizierer. Im Mai 2012 wurde das „RAL Gütezeichen Halāl-Lebensmittel“ erstmalig vergeben.
Anwesend bei der Tagung waren auch Yusuf Çalkara, Geschäftsführer des „Europäischen Halāl-Zertifizierungsinstituts“ (EHZ) mit Hauptsitz in Köln und Niederlassung in Hamburg, und Yavuz Özoǧuz, Geschäftsführer der Firma „m-haditec“ in Bremen.
Zusammenfassend ließe sich sagen, die seinerzeit sowohl in der Hamburger SCHURA als auch „Zentralrat der Muslime in Deutschland“ (ZMD) verbundenen Sunniten und Schiiten räumten die lästige Konkurrenz aus dem Weg, indem sie neben dem echten nun das wahre Siegel erkoren, und teilten den Markt unter sich auf.
Das EHZ ist dem Spektrum der „Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş“ (IGMG) zuzurechnen, m-haditec agierte im Einvernehmen der religiösen Führung im Iran. Der erwähnte Ayatollah Reza Ramezani war seinerzeit der Leiter des „Islamischen Zentrums Hamburg“ (IZH), das den Sicherheitsbehörden als Europazentrale des Mullah-Regimes galt und am 24. Juli 2024 verboten wurde. Die „m-haditec GmbH“ ist indes immer noch aktiv.
Halāl ist ein Markenzeichen des islamischen Fundamentalismus
Die IGMG wurde als deutscher Ableger der zutiefst antisemitischen Millî-Görüş-Bewegung gegründet, will aber eigenen Aussagen zufolge damit nichts mehr zu tun haben. Zweifel daran sind mehr als angebracht, aber unabhängig davon gleicht das von der IGMG propagierte Weltbild dem der türkischen Originals, das sich an den Vorstellungen Hasan al-Bannas, also der Muslimbruderschaft (MB) orientierte, der wiederum großer Hitler-Fan war. Wegen dessen Haltung zu den Juden.
Dass sich ausgerechnet fundamental-islamische Organisationen um dieses Thema reißen, ist ein deutliches Indiz dafür, dass es bei Halāl um weitaus mehr geht, als um Speisevorschriften. Halāl beinhaltet nicht nur das Verbot von Schweinefleisch und Alkoholverzicht, sondern ist letztlich das Bekenntnis zu einem Lebensstil wie in Saudi-Arabien oder dem, zu dem die Menschen im Iran gezwungen werden sollen. Halāl heißt Scharia, das wiederum, Frauen und Männer speisen getrennt, die Frauen nach den Männern, und zwar die Reste, in Hotels gibt es abgetrennte Bereiche für Frauen, die sie nutzen müssen – nicht können. Ebenso an Stränden. Männliche Begleitung in der Öffentlichkeit inklusive. Mit anderen Worten: Halāl bedeutet, Frauen aus der Öffentlichkeit zu verdrängen und zu entmündigen. Geschlechterapartheid ist der passende Ausdruck dafür.
Wer sich davon keine konkrete Vorstellung machen kann, dem empfehle ich den Film „Das Mädchen Wadjda“. Dieser kam 2012 in die deutschen Kinos – jenem Jahr, in dem das „Deutsche Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung“ das erste Halāl-Siegel vergab.
So weit, abgetrennte Essbereiche für Frauen einzurichten, wollten Isabell und Bayram D. dem Vernehmen nach nicht gehen. Aber Halāl-zertifizierte Speisen sind die Einstiegsdroge, mit der uns die Scharia im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft gemacht werden soll.
Das Paar begründete seine Entscheidung, auf Alkoholausschank zu verzichten, neben dem Hinweis auf eine „familienfreundliche Atmosphäre“ damit, dass Alkohol auch nicht zu ihrer ostanatolischen Küche passe, war in den Medien zu lesen. Warum das nicht? Darüber denke ich bei einem Glas Villa Doluca nach, wenn ich nicht drauf komme, gibt´s ein Efes hinterher. Muss ich immer noch grübeln, hilft nur noch Rakı. Das beste Rezept, um dieses kulinarische Geheimnis zu lüften.
Darauf einen Düschadenk!
