Offener Brief an Düsseldorfs OB Thomas Geisel (SPD) mit der Forderung nach Rücktritt
Für das von Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel in Auftrag gegebene Video mit Farid Bang hat er viel Kritik einstecken müssen. Wir, die wir 2018 gegen Farid Bang und Kollegah wegen Volksverhetzung Anzeige erstatteten, haben uns erlaubt, unsere unmaßgebliche Meinung zu dem Thema auch zum Besten zu geben. Wir haben einen offenen Brief an ihn verfasst, in dem wir ihn zum Rücktritt auffordern, den wir hier dokumentieren:
Kein Herz für Frauenhasser!
Offener Brief an den
Oberbürgermeister der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf,
Thomas Geisel (SPD), mit der Aufforderung zum Rücktritt:
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Geisel,
in einem Beitrag vom 23.7.2020 auf Ihrer Facebook-Seite gaben Sie an, sich
„schon darüber“ zu „wundern“, dass Sie für das von Ihnen in Auftrag gegebene
Video mit Skandal-Rapper Farid Bang so viel Kritik einstecken mussten.
Wir, eine Gruppe von vorwiegend Frauen, aber auch einzelnen Männern, die
Farid Bang und Kollegah 2018 im Zuge der Kritik anlässlich der Verleihung des
Musikpreises „Echo“ wegen ihrer frauenverachtenden Texte angezeigt haben, wundern uns auch: Und zwar darüber, dass ausgerechnet ein von
handfesten Skandalen umwitterter Rapper von Ihnen dazu erkoren wurde, die
offenbar aus dem Ruder gelaufenen Jugendlichen in Ihrer Stadt wieder in die
Spur zu bringen.
In dem angesprochen Facebook-Beitrag bezeichnen Sie Farid Bang als „Role
Model“. Da können wir nicht einmal widersprechen, denn genau das hat uns
veranlasst, die Anzeige zu stellen. „Die beiden Rapper füttern die Hirne vor
allem männlicher Jugendlicher mit abgrundtiefem Frauenhass und
Gewaltphantasien. Diese prägen deren Frauenbild, was schon jetzt oder aber
spätestens in der Pubertät Mädchen und Frauen zu spüren bekommen.
In Interviews lassen die beiden erkennen, dass ihre Texte nicht nur die
Folge der im Genre „Battlerap“ häufig als Stilmittel eingesetzten Überspitzung
sind, sondern dass sie denken, was sie rappen“, hieß es in der Begründung zu
unserer Anzeige. Das Ergebnis davon ist dieser Tage nicht nur in Düsseldorf,
sondern in vielen deutschen Städten zu beobachten. Die im Übrigen immer mehr zu
frauenfreien Zonen werden.
Unsere Anzeige wurde im Juni 2018 von der Staatsanwaltschaft Düsseldorf
abgewiesen mit der Begründung:
<<
…
Soweit in den zur Anzeige gebrachten Liedtexten in frauenverachtender Weise
(sexuelle) Gewalttaten gegen Frauen und Zuhälterei propagiert und verherrlicht
werden, ist eine Strafbarkeit wegen Volksverhetzung gemäß §130 Abs. 1 Nr. 1
bzw. 2 StGB jedenfalls deshalb nicht gegeben, weil die Äußerungen unter
Berücksichtigung der Wesensmerkmale der Musik-Genre des „Gangsta-Rap“, zu denen
die Glorifizierung u.a. von Gewalt und Zuhälterei gehört, nicht als ernsthaftes
Auffordern zu Gewaltmaßnahmen i.S.v. §130 Abs. 1 Nr. 1 StGB oder als Angriff
auf die Menschenwürde von Frauen bzw. Prostituierten i.S.v. §130 Abs. 1 Nr. 2
StGB anzusehen sind .
…
>>
Wann wir unsere Menschenwürde als Frauen – oder als Jüdinnen und Juden,
deren Anzeige von der Staatsanwaltschaft Düsseldorf mit demselben Schreiben
abschlägig beschieden wurde – verletzt sehen, entscheiden also nicht wir,
sondern die Staatsanwaltschaft Düsseldorf.
Und Sie, der Oberbürgermeister der nordrhein-westfälischen
Landeshauptstadt, der einen exponierten Vertreter dieses gewaltverherrlichenden
Genres Publizität verschafft – und ihn Jugendlichen als Vorbild andient. Das
ist eine schallende Ohrfeige für alle Gewaltopfer und all jene, die die Folgen
der aktuellen Straßen“partys“ in vielen Städten zu tragen haben.
Nachdem nun von der Islamismus-Expertin
Sigrid Herrmann-Marschall auch noch die Verbindungen Farid Bangs ins
islamistische, bzw. salafistische Milieu zur Sprache gebracht wurden, haben Sie
angeboten, die Löschung des Videos zur Diskussion zu stellen. Damit wäre das
aus der Welt, der Schaden aber bleibt. Und der ist nicht wieder gut zumachen.
Wie u. a. dem Express“ vom 24.7.2020 zu entnehmen ist,
beweisen auch ihre jüngsten Äußerungen, dass Sie das Problem offenbar nicht
verstanden haben. Farid Bang habe „das Herz am rechten Fleck“, werden Sie in
den Medien zitiert. Dass viele Menschen im Land das deutlich anders sehen,
haben sie dieser Tage zu spüren bekommen: Die Kritik an dem Video reißt nicht
ab.
Dennoch bleiben Sie uneinsichtig, um nicht zu
sagen beratungsresistent. In einem vom Express am 25.7.2020 in vollständiger Länge
abgedruckten Brief an „an Unterstützer und SPD-Parteifreunde“ schreiben
Sie: „Und zur Toleranz gehört auch,
Anschauungen, Lebensentwürfe und Äußerungen auszuhalten, die unseren
Vorstellungen von zivilisatorischem Fortschritt und Political Correctness nicht
entsprechen.“
Nein, Herr Geisel, das müssen wir nicht!
Wir müssen keine Frauenhasser und
deren „Kunst“ aushalten – sprich widerspruchslos hinnehmen – und auch keine
Politiker, die sich mit ihnen gemein machen. Für uns sind Sie als Oberbürgermeister einer
deutschen Landeshauptstadt politisch untragbar. Deshalb fordern wir Sie auf:
Treten Sie von Ihrem Amt als Oberbürgermeister zurück, Herr Geisel!
Sabine Ackermann, Pforzheim
Ingrid Aigner, Ludwigshafen
Juliane Beer, Berlin
Iris Borchhardt
Claudia Drost, Wuppertal
Birgit Gärtner, Hamburg
Marcos Haltenberger, München
Karin Henz, Leverkusen
Anja Jesinger, Remshalden
Karolin Kaden
Harriet Cabinet Lang, Berlin
Antje
Langethal, Fahrenkrug
Anja
Carolin Liebermann, Düsseldorf
Solveig Senft, Ulm
Anne Spiegelberg, Bielefeld
Astrid Warburg-Manthey, Hamburg
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